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Textus im Mittelalter : Komponenten und Situationen des Wortgebrauchs im schriftsemantischen Feld

Year: 2006
Type: article
Abstract: Der heute alltagliche und wissenschaftliche Umlauf des Wortes 'Text' ist begleitet von weitgehender Unkenntnis uber seine Sinn- und Gebrauchsgeschichte. Nahezu jeder schriftliche sinntragende Gegenstand gilt als Text; vielfach sind auch nichtschriftliche Zeichengebilde betroffen. Dies war noch vor wenigen Jahrzehnten deutlich, in der Vormoderne radikal anders. Mit dem vorliegenden Sammelband, der auf eine internationale Tagung im Max-Planck-Institut fur Geschichte (Gottingen) zuruckgeht, wird ein Anfang zur breitgefacherten Historisierung der vormodernen Geschichte des Textes gemacht. In der Spatantike ist es zu einer kanonischen Fixierung der literarischen Gewebemetaphorik auf Form und Inhalt der Bibel gekommen. Von hier aus ist die Mehrzahl der uberraschend wenigen Situationen des Wortgebrauchs von textus (und auch von texere) in bestimmten Schriftfeldern vom 4. zum beginnenden 16. Jahrhundert zu verstehen. Trotz einer langfristigen Tendenz zur Ausbreitung des textus-Worts wurden bis zur Moderne masgebliche Uberlieferungsbereiche - z.B. Akten - nicht unter den Text subsumiert. In 15 Einzelstudien uber Verskunst, Hagio- und Historiographie, Briefe, Kirchenrecht, Liturgie, Theologie, universitares Lehrschrifttum, mittelhochdeutsche Dichtungen, landliches und stadtisches Recht, Illustrationen, Malerei und Musiknotate werden langfristige linguistische Profile, Momente des Wortgebrauchs und wichtige Neuerungen bzw. Wandlungen untersucht. Sie erweisen, das das lateinische Wort textus (und seit dem 13./14.Jahrhundert seine vulgarsprachlichen Varianten) ein Stellvertreterwort fur das Evangliar (und andere Teile der Bibel) wird und bleibt, uber die hl.Schrift hinaus biblionome Ordnungs- und Formaspekte anspricht (Buch, Wortlaut, Sinn, Stelle usf.) und von anderen Ordnungselementen abgesetzt wird (Titel und Text, Register und Text usf.), sowie dort strategische Bedeutung gewinnt, wo seine Benutzer auf die Kanonisierung, Autorisierung und Auslegung des betreffenden Schriftwerks drangen. Es sind Glosse und Kommentar, die seit dem 13. Jahrhundert ein Schriftwerk zum sichtbaren Text 'machen'.
Language: German
Subfield: Classics
Open Access status: green
OpenAlex ID: W1525216988
FWCI: 28.78
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