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Beobachtungen zwischen Funktionssystemen. Umweltdienstleistungsfirmen als intersystemische Organisationen

Year: 2007
Type: article
Abstract: Zusammenfassung: Wie verhalten sich Funktionssysteme zu Organisationen und wie können Organisationen Funktionssystemen zugeordnet werden?Die Systemtheorie ist diesbezüglich uneindeutig, widersprüchlich und kann wenig über Organisationen aussagen, die nicht einem Funktionssystem zugeordnet sind.Die Praxistheorie dagegen liefert dichte Beschreibungen, die theoretisch unterkomplex sind.Der vorliegende Aufsatz versucht die Defizite von Systemtheorie und Praxistheorie mit einer Typologie intersystemischer Organisationen zu beheben und eine genauere Beschreibbarkeit von Organisationen zu ermöglichen.Als Testbeispiel dient ein Typ intersystemischer Organisationen: Umweltdienstleistungsfirmen.Die Umweltdienstleistungsfirmen lassen sich anhand ihrer Organisationsstruktur, ihrer Publikationspraktiken und ihrer Forschungsbegriffe als vermittelnde und mehrdeutige intersystemische Organisationen beschreiben.Der Aufsatz versteht sich zudem als Beitrag zu einer Ethnographie intersystemischer Organisationen und wissensbasierter Dienstleistungen.Einleitung Eine Firma schreibt auf ihrer Homepage, dass sie »interdisziplinäre Umweltforschung« betreibe.1 Die Firma verwendet Instrumente, Software, Methoden und Theorien, wie sie in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, von Soziologie bis zur Physik, angewandt werden.Sie publiziert jedoch kaum in wissenschaftlichen Zeitschriften, sondern schreibt Berichte für Auftraggeber, für die sie zum Beispiel Finanzierungsmodelle für den öffentlichen Verkehr evaluiert und Flüsse zur ökonomischen und ökologischen Aufwertung modelliert.Die Firma beschäftigt als Projektmitarbeiter ausschließlich Personen mit Universitätsabschluss, einige davon mit Doktorat und Lehraufträgen an Universitäten.Wie soll man nun soziologisch solche Firmen beschreiben?Betreiben diese Firmen Wissenschaft?Soll man sie dem Wissenschaftssystem zurechnen?Oder handelt es sich dabei um Wirtschaftsorganisationen, die mit Wissen handeln?Eine Beschreibung solcher Firmen muss sich vor allem mit dem Problem funktionaler Differenzierung beschäftigen und mit der Frage, auf welcher Ebene funktionale Differenzierung beobachtbar ist.Bis dahin standen sich in dieser Frage eine empirieverliebte Praxistheorie und eine kommunikationszentrierte Systemtheorie unversöhnlich gegenüber.Beide Ansätze können jedoch theoretisch intersystemische Organisationen nicht adäquat beschreiben.Die Systemtheorie konzipiert Systeme als Kommunikationszusammenhänge und bleibt widersprüchlich, wie sich Organisationen zu Funktionssystemen verhalten, insbesondere, wenn sich Organisationen nicht einzelnen Funktionssystemen eindeutig zuordnen lassen.Die Praxistheorie sieht zwar diese Probleme, bietet jedoch theoretisch keine Alternative an, sondern belässt es bei der Feststellung, dass sich Organisationen Funktionssystemen nicht zuordnen lassen.Gerade intersystemische, d.h.nicht einem einzelnen Funktionssystem zuordenbare Organisationen bleiben dabei für beide Theorien theoretisch nicht fassbar.Dieser Aufsatz versucht die Defizite der beiden Theoriestränge mit einem Theoriemodell intersystemischer 1) Ich danke Monika Dommann und Jörg Potthast sowie den anonymen Reviewern für hilfreiche Kritik.Der Aufsatz beruht auf einem Forschungsprojekt »The Production of Socially Robust Knowledge«, das vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert wurde.Eine ausführlichere Version des hier präsentierten Arguments findet sich in Guggenheim (2005).
Source: Soziale Welt
Language: German
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W1857566174
FWCI: 1.901
Cites: 13
Cited by: 5
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