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Eine "bewegte" Epoche: Zur Heterogenität reformatorischer Bewegungen

Year: 2010
Type: article
Abstract: Zur Heterogenität reformatorischer Bewegungen von HANS-JÜRGEN GOERTZ Niemand wird bestreiten, daß die frühen Jahre der Reformation zu den bewegtesten Epochen der deutschen Geschichte zählen.In erstaunlich kurzer Zeit wurden Entwicklungen eingeleitet, die Geistliche und Adlige, Patrizier, Kaufleute und Handwerker, auch Söldner, Bauern und Tagelöhner in Bewegung setzten, sich für oder gegen eine Erneuerung der Kirche an Haupt und Gliedern zu entscheidennicht der Kirche allein, sondern der gesamten Christenheit.In Windeseile erreichte die Kunde von diesen Auseinandersetzungen auch die höchsten Instanzen im Reich und setzte politische Aktivitäten in Gang, deren Konsequenzen noch überhaupt nicht abzusehen waren.Die Kurie versuchte, Martin Luther und seine Anhänger, die das «groß Geschrei» ausgelöst hatten, zum Schweigen zu bringen.Der junge Kaiser, von der Wahlkapitulation noch geschwächt, sah sich gezwungen, seine Autorität einer ersten, riskanten Bewährungsprobe auszusetzen, als ihm zugemutet wurde, den Wittenberger Reformator in Worms anzuhören; und die Stände, in sich gespalten, nutzten die «Luthersache», um ihre eigenen politischen Interessen auf den Reichstagen zu verfolgen.Schließlich gab es an Fürstenhöfen und in Ratsstuben, unter Bürgern und Bauern nur noch ein Thema, das sich in den Vordergrund schob und alle anderen Probleme aufsog oder durchdrang: die Reformation im Reich.Ein Sturm war losgebrochen und über Städte, Dörfer und Burgen hinweggebraust.Diese meteorologische Metapher bringt recht anschaulich zum Ausdruck, was damals allgemein empfunden wurde: «das ganze deutsche, franzosisch und welsch land ist wag» 1 , d.h. in erregter Bewegung, schrieb Thomas Müntzer im April 1525, als der «gemeine Mann» von den reformatorischen Forderungen dermaßen intensiv erfaßt worden war, daß eine grundsätzliche Veränderung aller Dinge für die allernächste Zeit bevorzustehen schien.So ist es wirklich nicht abwegig, von den «Sturmjahren der Reformation» 2 zu sprechen, wenn man die stürmisch-erregte Atmosphäre, den eruptiven Aufbruch und das unüberschaubare, verwirrende und bedrohliche Durcheinander reformatorischer Agitation charakterisieren will: Predigt und Disputation, Flugschriftenstreit und Pfaffenkrieg, Hostienschändung, Zehntverweigerung, Störung des Gottesdienstes, Bildersturm, lokale Empörung und überregionaler militanter Massenaufstand gegen geistliche und weltliche Herr-1
Source: Zwingliana
Language: German
Subfield: History
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W1925567112
FWCI:
Cites: 4
Cited by: 1
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