Year: 2012
Type: article
Abstract: Jakob Wetzel Satire -das unbekannte StilprinzipWesen und Grenzen im Journalismus* "Was darf die Satire?Alles" (Tucholsky 1975, S. 44).Kurt Tucholsky veröffentlichte diese Behauptung erstmals am 27.Januar 1919 unter dem Pseudonym "Ignaz Wrobel" im "Berliner Tageblatt".Sie wird bis heute gerne zitiert, besonders zu Beginn wissenschaftlicher Arbeiten über Satire und ihre Grenzen.Doch die Aussage ist schlichtweg falsch.Satire hat feste rechtliche Grenzen, sie kann mit dem Strafrecht ebenso kollidieren wie mit dem Zivilrecht.Und sie soll auch nicht alles dürfen: Auf der Ebene der Berufsethik ist sie eingeschränkt durch Normen, wie sie beispielhaft der Kodex des Deutschen Presserates allen Medienschaffenden auferlegt.Satire darf also keineswegs alles.Doch was sie darf, ist schwer zu bestimmen.Denn trotz all der Regeln bleiben die Grenzen der Satire in der Pra xis oft verschwommen."Der Ausgang der meisten Prozesse ist ungefähr so sicher wie russisches Roulette" (Wolf 1996, S. 29; vgl.ebd., S. 79-84), fasste Uwe Wolf vor Jahren seinen Eindruck von Gerichtsverfahren gegen Satiriker und Karikaturisten in Deutschland zusammen.Bis heute hat sich daran wenig geändert, und diese Unsicherheit stellt nicht nur Satiriker und Juristen vor eine He rausforderung, sondern auch den Rechtsstaat, denn die Grenzen der Meinungsfreiheit müssen fest stehen, fall un ab hängig und verbindlich.Der Grund für diese Unsicherheit allerdings liegt im Wesen der Satire selbst: Sie übertreibt, sie verfremdet die Realität, und dieses Stilmittel muss in jedem Einzelfall neu durchschaut werden.Die Grenzen der Satire müssen daher jedes Mal neu gezogen werden, und sie sind stark vom Dafürhalten der jeweils urteilenden Instanz abhängig.In der Konsequenz stecken unterschiedliche Instanzen den Freiraum der Satire mitunter unterschiedlich weit ab.Entscheidend aber ist: Die Beurteilung satirischer Darstellungen bedarf grundsätzlich einer AuFsAtZ * Vgl.Jakob Wetzel: Was darf Satire?Die tatsächliche Freiheit satirischer Darstellungen in Urteilen deutscher Gerichte und in Entscheidungen des Deutschen Presserates.Masterarbeit München 2011.Die Studie entstand am Lehrstuhl von Prof. Dr. Heinz Pürer,
Source: Communicatio Socialis
Author: Jakob Wetzel
Institution: Ludwig-Maximilians-Universität München
Language: German
Subfield: Law
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W1940893341
