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Welches Fachgebiet akademisieren wir derzeit eigentlich an den Universitäten? – Ein Wort zum Terminologie-Wirrwarr!

Year: 2008
Type: article
Abstract: Das Jahr 2008 war ein besonders erfolgreiches Jahr fur die wissenschaftliche Verankerung und Akademisierung unseres Fachgebietes an den deutschen medizinischen Fakultaten (vgl. auch [1–3]). Viele Professuren wurden ausgeschrieben, neu geschaffen oder besetzt. Bei naherer Betrachtung dieser Professuren finden sich ohne Ausnahme Hinweise auf den Kontext zur Stiftungsfinanzierung und die Tatsache, dass ein gemeinsamer, einheitlicher Gebietsanspruch fehlt. Welches Fachgebiet wird aber dann derzeit in Forschung, Lehre und Ausubung innerhalb der betroffenen Universitaten akademisiert? Die Terminologie reicht von Naturheilkunde uber Komplementarmedizin bis hin zur Integrativen Medizin. Die Verankerung der Naturheilkunde/Komplementarmedizin «auf Zeit», im Sinne einer Probe-Eingliederung, wird durch das Stiftungsprafix verdeutlicht. Dies kann nicht uberraschen, da selbst die Bundesregierung seit Jahren keine explizite Forschungsforderung mehr zur Verfugung oder in Aussicht stellt. An der unterschiedlichen Bezeichnung der wissenschaftlichen Zustandigkeit unseres Fachgebietes sind wir aber selber schuld – es fehlt einfach die Bereitschaft zur Abstimmung und zum gegenseitigen Dialog. Diese uneinheitliche Selbstdarstellung erschwert die Akzeptanz und Integration unseres Fachgebiets in die Medizinischen Fakultaten. Die Zeitschrift FORSCHENDE KOMPLEMENTARMEDIZIN hat es in 15 Jahren Aufbauarbeit durch einen muhsamen und organisierten Dialog geschafft, das Gebiet der klassischen Naturheilkunde und der Komplementarmedizin in einem international anerkannten Publikationsforum mit vorwiegend wissenschaftlichen Nachwuchsvertretern schulmedizinischer Fakultaten zu vereinigen. Es bestehen seit Jahren weder «disziplinare Eitelkeiten» [4], noch bedarf es der Bezeichnung «Integrative Medizin», um einen Mangel an «Brucke[nschlag] zwischen Schulmedizin und komplementarmedizinischen Verfahren» [5] zu uberwinden. Auch wenn die verstarkte Akademisierung hoffen lasst, dass eine terminologische Fortentwicklung folgen wird, ist die blose Ubertragung und aktive Verbreitung der englischen Bezeichnung «Integrative Medicine» – wie es Snyderman und Weil 2002 [6] im renommierten Journal Archives of Internal Medicine sinngemas definiert haben (vgl. Abb. 1) – in die deutsche Sprachenlandschaft weder aus einer Binnensicht noch aus der Sicht einer Ausendarstellung gegenuber der Bevolkerung notwendig und sinnvoll. Die Offentlichkeit kann sich heute etwas unter einem Naturheilkundigen oder Komplementarmediziner vorstellen – sicher nichts unter dem Begriff eines «Integrativmediziners»! Die zitierte Beschreibung einer «Integrative Medicine» ist inhaltlich durchaus akzeptabel und nachvollziehbar. Es entzieht sich aber meinem Verstandnis, dass ein muhsamer Terminologieprozess von Naturheilkunde und Komplementarmedizin – der immerhin dazu gefuhrt hat, dass diese Begriffe im Worterbuch Naturheilkunde von Pschyrembel [7] definiert werden – durch Popularisierung des Begriffs «Integrative Medizin» ohne Not erneut in Wirrnis gebracht wird. Sozioepidemiologisch betrachtet bedeutet «integrieren» (d.h. «sich zusammenschliesen» [8]), ein Signal an die «offizielle Medizin»: Wir wollen mit euch ein «groseres Ganzes» bilden
Language: German
Field: Medicine
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W1994852813
FWCI: 1.759
Cites:
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