Year: 2012
Type: preprint
Abstract: Zusammenfassung: Wir leben in einer Wissensgesellschaft.In ihr wird Wissen zur zentralen Ressource.Wissensarbeiter sind die Arbeiter der Zukunft.Ihre Arbeitsweise ist eine durch und durch unternehmerische -flexibel, eigenverantwortlich, kreativ, ohne die Ansprüche früherer Arbeitergenerationen an klar definierte Arbeitsanforderungen, konstantes Einkommen, stabile Arbeitsorte, Berufsprofile und Berufsverläufe.Würde dieser Beitrag das alles vertreten, wäre er komplett überflüssig.Denn das kann man überall lesen.Das ist Allgemeinwissen -Wissen in Gestalt der Gewißheit, und allgemein im Sinne des Gemeinplatzes.Was alle glauben, muß nicht richtig sein.Die Sonne kreiste auch vor 300 Jahren nicht um die Erde.Daß einige dieser Gewißheiten den Blick auf das Wesentliche verstellen, ist die eine Kernthese dieses Beitrags.Die andere bezieht sich darauf, worin das Wesentliche der (post)industriellen Modernisierung von Wirtschaft und Arbeit bestehe. 1 Post-Industrielle Gesellschaft?Die Idee, Vision und/oder Diagnose einer postindustriellen Gesellschaft kam Ende der 1960er Jahren auf (bes.Touraine 1969, Bell 1973).Ihre Verfechter unterstellten nicht, daß dies schon Realität sei.Vielmehr zielten sie darauf ab, quasi vom antizipierten Ergebnis her den zentralen Entwicklungstrend der damaligen Gesellschaft und ihrer ökonomischen Basis zu charakterisieren.Damals war eine Debatte um die Konsequenzen der Automation im Gange, und den Gesellschaftsdiagnostikern ging es um die Frage, wie dieser technische Wandel gesellschaftlich (!) so zu gestalten sei, daß er den Menschen mehrheitlich nützt und nicht zu einer sich fortwährend vertiefenden Spaltung führe, in wenige "Modernisierungsgewinner" (Investoren, Unternehmer, Arbeitereliten, vgl.auch Kern/Schuman 1984) und Verlierer (Arbeitslose, von intelligenten Maschinen zu Handlangern Degradierte, Überlastete).Obwohl diese Überlegungen "von links" kamen, formuliert von einer kleinen gesellschaftskritischen Minorität, ist das Adjektiv post-industriell doch schnell in die Selbstbeschreibung moderner Gesellschaften eingegangen.Man wird heute jedenfalls in Mitteleuropa kaum auf Einwände stoßen mit der Behauptung, daß "wir" keine Industriegesellschaften mehr seien.Zumindest soweit man einen Bogen macht um die industriellen Zentren.Die Umwege kann man sich auch sparen, wenn man den in den 1960er Jahren geprägten Begriff postindustriell nur auf die verloren gegangene Dominanz "klassischer" Industrien bezieht.Doch was ist Industrie?Der lateinische Ursprung (industria, der Fleiß, die Betriebsamkeit) wird kaum zur Abgrenzung irgendwelcher Wirtschaftszweige taugen.Ist die Produktion maßgeblich für das Verständnis des Begriffs?Oder der Technikeinsatz für die Produktion?Greifen wir anstelle von akademischen Definitionen besser den alltäglichen Sprachgebrauch auf und hier im Alphabet einfach mal das F heraus, wegen der (nicht nur im positiven Sinn) herausragenden Bedeutung der Finanzindustrie; wir stoßen unter anderem auf die Flugzeugindustrie ("alte" Industrie?), die Freizeitindustrie oder die Fischereiindustrie.An letzterer können wir exemplarisch die (neue?) Unübersichtlichkeit" in den klassischen Sektoren-und Phaseneinteilungen studieren.Die Fischereiindustrie steht "eigentlich" für den primären Sektor, im volkswirtschaftlichen Sprachgebrauch also Ressorcenbeschaffung: Bergbau, Landwirtschaft, und so fort.Zugleich sym-
Author: Manfred Moldaschl
Language: German
Subfield: General Social Sciences
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: green
OpenAlex ID: W1998066987
