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Evolution der Medien und der Medienkontrolle im postsowjetischen Russland

Year: 2007
Type: article
Abstract: Zusammenfassung: Dass der politische Einfluss auf mediale Praktiken im postsowjetischen Russland heute teilweise dramatische Formen angenommen hat, hängt nicht zuletzt mit dem kontinuierlichen Wandel der Medienkontrolle zusammen.Die Frage nach den gesellschaftlichen und medialen Voraussetzungen einer solchen Medienentwicklung muss umso dringender untersucht werden.Am Beispiel der Evolution der Fernsehstrukturen im (post-)sowjetischen Russland zwischen 1970 und 2006 wird nun gezeigt, in welcher Weise die für die Sowjetunion typische Form der Propagandakommunikation ab 1985/86 durch neue Formen der Medienkommunikation ersetzt wird.Mit Hilfe empirischer Daten wird beschrieben, wie neben den Medienstrukturen auch die Formen der Medienkontrolle sich ändern.Die Darstellung wird in eine makrosoziologische Perspektive eingebettet, die den Zusammenhang von Medienevolution und gesellschaftlicher Strukturierung in der ehemaligen Sowjetunion betont.I. Jede zweite Stunde strahlen TV-Sender in Russland 1 Nachrichten aus.Jede zweite Stunde werden die Zuschauer über die Aktivitäten des Präsidenten der Russischen Föderation informiert (ДЁик/НазароЁа 2002, S. 89) 2 .Bereits ab dem Jahr 2001, nach dem Wechsel der Medieneigentümer des mächtigen privaten Fernsehsenders NTV und der Auflösung des anderen bedeutenden privaten Fernsehsenders, TV-6, fällt die Berichterstattung über die Arbeit des Präsidenten und der Regierung sowohl in den staatlichen (Pervij Kanal 3 , Rossija, TVZ) als auch in den privaten TV-Sendern mit überregionaler Reichweite (NTV, TNT, STS, Ren-TV) positiv aus.Die Einflussnahme auf die redaktionelle Linie und die journalistische Selbstzensur sind die wesentlichen Mechanismen, die die Entscheidungen der Fernsehredaktionen im Themenbereich Regierungspolitik heute beeinflussen.Allerdings kann nicht behauptet werden, dass die Medienkontrolle (im Sinne der Einflussnahme auf redaktionelle Arbeit) erst von der Regierung der Russischen Föderation unter Putin als legitimes Politikinstrument angesehen wird.Dass die Medienlenkung ein notwendiges Instrument politischer Machtausübung ist, wurde bereits von Vladimir Lenin im Artikel »Über die Pressefreiheit« ([1905]1958) formuliert.Nach der Machtergreifung der Arbeiter-und Bauernpartei der Bolschewiken im Jahre 1917 und der Gründung der Sowjetunion wurde diese Idee leitend für die sowjetische Medienpolitik.Sie blieb prägend für die Logik der medialen Entwicklung sowohl in der Sowjetunion als auch im postsowjetischen Russland.Die Frage, die in diesem Aufsatz zu beantworten sein wird, lautet deshalb: Wie haben sich die medialen 1) Mit Russland ist hier und im Folgenden der Staat Russische Föderation gemeint.Beide Bezeichnungen gelten nach dem Artikel 1 der Verfassung der Russischen Föderation als Synonym.Bis Ende 1991 war die Russische Föderation eine Republik der Sowjetunion, die insgesamt aus 16 Republiken bestand.2) Seit 2003 wird die Fernsehlandschaft in der Russischen Föderation von 9 führenden (sowohl staatlichen als auch privaten) TV-Sendern bestimmt, die aus Moskau in den Großteil der Regionen der RF senden (Pervij Kanal, Rossija, NTV, Sport, STS, Ren-TV, Kultura, TVZ, TNT).Außerdem existierten schon zu dieser Zeit über 1600 regionale, sowohl staatliche als auch private, Fernsehsender (ШapикоЁ 2003a; 2003b).3) Zum jetzigen Zeitpunkt gehören dem Staat 51 Prozent der Aktien des Senders.
Source: Soziale Welt
Author: Anna Amelina
Language: German
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W2032336892
FWCI: 1.129
Cites: 21
Cited by: 1
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