Year: 1991
Type: article
Abstract: Was ist extrasilbisch im Deutschen und warum?Extrasilbizität wird in diesem Artikel als theoretisch legitime und für das Deutsche empirisch begründete phonologische Kategorie verteidigt. 1 Einige der früheren Vorschläge für initiale Extrasilbizität werden jedoch verworfen, da die initiale Clusterbildung sich zur finalen nicht parallel verhält.Die entsprechenden Daten (Frikativ-Plosiv-Sequenzen wie in Stein) werden in einer Weise reanalysiert, daß sich adäquatere Beschreibungen für bisher problematische Teile der Phonotaktik des Deutschen ergeben.Die silbenbezogene Regel der Auslautverhärtung wird gleichfalls im Zusammenhang mit Extrasilbizität diskutiert.In der Interaktion mit bestimmten Annahmen über die mtrasegmentale Merkmalsstruktur ergibt sich die Möglichkeit, die besondere Distribution der Segmente in den initialen Konsonantenclustern aus Frikativ und Plosiv mittels einer Dissimilationsregel zu analysieren.L Einleitung Daß die Silbe eine wesentliche Einheit in der phonologischen Beschreibung einer naturlichen Sprache sein muß, ist kaum noch umstritten.Diskutiert wird jedoch die Frage, wie die Silbe als kategoriale Einheit zu beschreiben ist und wie Silbenstrukturen derivationell entstehen.Hier sind insbesondere kontroverse Annahmen über die silbeninternen Konstituenten zu verzeichnen (siehe zum Deutschen insbesondere die Beiträge in Eisenberg/Ramers/Vater (demn.)).Jedes Modell der prosodischen Struktur muß aber auch die Frage beantworten, ob der Fall zugelassen sein soll, daß Segmente nicht zu einer Silbe gehören, das heißt, extrasilbisch sind.Drei Positionen sind hier prinzipiell denkbar: Erstens kann man das Konzept der Extrasilbizität prinzipiell ablehnen.Zweitens kann man, zumindest in einer generativ orientierten Phonologie, postulieren, daß Segmente zugrundeliegend nicht Silben zugeordnet sind, daß aber spätestens am Ende der phonologischen Komponente alle Segmente zu Silben gehören müssen.Es ist danach eine der wesentlichen Aufgaben der phonologischen Komponente, sämtliche Segmente aus einer Kette einer Silbe zuzuordnen.Da aber zugrundeliegend und durch einen Teil der phonologischen Ableitung hindurch diese Segment-Silbe-Zuordnung nicht besteht, müssen wir hier Extrasilbizität konstatieren, wenngleich l Die hier vorgetragenen Überlegungen haben sehr durch die kritischen Bemerkungen von Tracy Hall und Karl Heinz Ramers profitiert.
Author: Richard Wiese
Language: German
Subfield: Experimental and Cognitive Psychology
Field: Psychology
Domain: Social Sciences
Open Access status: diamond
OpenAlex ID: W2075041572
