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Krisenmanagement in Zürich nach dem Zweiten Kappeler Krieg

Year: 2010
Type: article
Abstract: Krisenmanagement: ein moderner Terminus, unter welchem wir Meisterung der Krise, das Verhalten und die Maßnahmen der an der Krise Beteiligten, die den Zusammenbruch des Systems, Anarchie und Gewalt verhindern wollen, verstehen.Was aber ist eine Krise ?-ein Begriff, den wir im Alltag, in den politischen Wissenschaften und in der Geschichtsschreibung gern und oft verwenden, der aber keineswegs eindeutig definiert ist 2 .Wenn wir im folgenden von einer Krise sprechen, so meinen wir damit nicht eine Krise im Sinne eines langfristigen, gesetzmäßigen, unaufhaltsamen und vielleicht gar nicht bemerkten Prozesses -etwa der marxistischen Kapitalismuskrise -, sondern die akute Krise, eine Situation der sehr wohl erfaßten oder erfühlten Unsicherheit, in welcher Werte in Frage gestellt werden, grundlegende Veränderungen möglich sind oder doch möglich scheinen, in welcher die Beteiligten Mühe haben, die Ent-wicklung zu überblicken und zu kontrollieren, und anderseits doch rasch und unter Druck handeln müssen.In einer solchen akuten Krise befand sich Zürich während und nach dem Zweiten Kappeier Krieg.Äußere Umstände Die äußeren Umstände, unter denen es zur Krise kam, sind bekannt: Es ist der Zweite Kappeier Krieg.In den Jahren nach 1528 hatte sich die von Zürich ausgehende Reformation in einem großen Teil der Eidgenossenschaft durchgesetzt.1531 konnten etwa drei Viertel der damaligen eidgenössischen Bevölkerung als reformiert gelten.Katholisch waren noch: von den 13 vollberechtigten Orten Uri, Schwyz, Unterwaiden, Luzern, Zug und Freiburg sowie Minderheiten in Solothurn, Appenzell und Glarus, von den Gemeinen Herrschaften die tessinischen Vogteien, die südlichsten Freiämter Dörfer und die Stadt Baden, während Sargans, Gaster und Weesen noch umstritten waren, von den Zugewandten Orten Teile Graubündens, das Wallis und das Fürstbistum Basel.Mit dieser Entwicklung war ein starker Ausbau der zürcherischen Macht, vor allem in der Ostschweiz, verbunden, der seinen Höhepunkt im Frühjahr 1531 erreichte.Zu diesem Zeitpunkt beherrschte Zürich die Fürstabtei St. Gallen und das Rheintal.Der Abt beziehungsweise der katholische Landvogt waren vertrieben worden.Über den Thurgau regierte ein protestantischer Glarner.Selbst Rapperswil, Gaster und Weesen begannen sich dem Einfluß ihrer katholischen Herren zu entziehen und sich Zürich, mit dem sie rechtlich nicht verbunden waren, zuzuwenden.In dieser raschen und für die Fünf Orte, wie wir Uri, Schwyz, Unterwaiden, Luzern und Zug im folgenden nennen wollen, bestürzenden zürcherischen Expansion waren machtpolitisch-traditionelle Züge mit revolutionär-charismatischen verbunden.Daß Zürich seinen Einfluß in der Ostschweiz ausbauen wollte, war nicht neu, neu aber waren das Tempo und die angewandten Mittel.Die Reformation gerade in den Gemeinen Herrschaften und den Zugewandten Orten war durchaus eine Volksbewegung und insofern revolutionär, als sie überlieferte Normen in Frage stellte und hinwegfegte.Zürich unterstützte sie und brachte sie gleichzeitig unter seine, die zürcherische Kontrolle.Der charismatisch-missionarische Zug der zürcherischen Politik, der nicht einfach Tarnkappe machiavellistischer Machtpolitik war, kam vor allem in der letzten Forderung Zürichs, die 1531 im Vordergrund stand, zum Ausdruck: Die Fünf Orte sollten auch in ihrem eigenen Gebiet die reformierte Predigt zulassen, was, woran man nicht zweifelte, zum vollständigen Sieg der Reformation in der ganzen Eidgenossenschaft
Source: Zwingliana
Author: Helmut Meyer
Language: German
Subfield: History
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W2235533839
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