Unterrepräsentanz ohne Ende? Geschlechterungleichheit bei Führungseliten der deutschen Wirtschaft
Year: 2007
Type: article
Abstract: Die Benachteiligung von Frauen in der ArbeitsweltDer Internationale Frauentag am 8. März 2007 gab wieder einmal Anlass zu einer öffentlichen Bestandsaufnahme der Situation von Frauen in der Gesellschaft.Es wurden Untersuchungen des International Labour Office (ILO), der World Health Organisation (WHO), des Statistischen Bundesamts und anderer Institute zitiert, nach denen Frauen nach wie vor gesellschaftlich benachteiligt sind (vgl.ntv 2007 als Beispiel für viele).ILO-Generalsekretär Juan Somavia, Auftraggeber der Untersuchung "Globale Beschäftigungstrends bei Frauen", wurde mit der Äußerung zitiert: "Trotz einiger Fortschritte bleiben immer noch viel zu viele Frauen auf den am schlechtesten bezahlten Tätigkeiten sitzen" (ntv 2007).Im Deutschen Bundestag wurde zum Internationalen Frauentag eine Debatte über Gleichstellungspolitik geführt.Die Fraktionen von Union und SPD brachten einen Antrag ein, um die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu stärken.Anlass war nicht nur das Datum des 8. März, sondern auch eine wenige Tage zuvor veröffentlichte Analyse des Statistischen Bundesamts, die zu dem Ergebnis gekommen war, "dass Frauen auch in Deutschland häufig weniger Lohn als Männer erhalten"; ein Grund hierfür sei unter anderen, "dass sie seltener in höheren Positionen arbeiten" (ntv 2007).Die Diskussionen über die Benachteiligung(en) von Frauen sind nicht neu, und sie werden so oder so ähnlich jedes Jahr aufs ist, dass qualifizierte und beruflich engagierte Frauen die Entscheidung für ein Kind entweder aufschieben oder sich grundsätzlich gegen ein Kind entscheiden.Über 40 % aller weiblichen Führungskräfte der Wirtschaft sind kinderlos (Bischoff 2005).Als Hauptursache des seit den 1960er Jahren verzeichneten Geburtenrückgangs wird neben der Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt: (1) Dieses Problem wird für Personen mit Kinderwunsch in zwei Dimensionen relevant: In struktureller Hinsicht fehlt es in vielen Regionen an Kinderbetreuung, vor allem für Kinder unter drei und über sechs Jahren (Flüter-Hoffmann/Solbrig 2003), und an Ganztagsschulen.(2) Da Führungspositionen in vielen Unternehmen nur in Form von Vollzeittätigkeiten denkbar sind, werden viele Frauen gezwungen, sich zwischen Familie und Unterrepräsentanz ohne Ende?Geschlechterungleichheit bei Führungseliten der deutschen Wirtschaft Annette von Alemann In den Führungsetagen deutscher Unternehmen beträgt der Frauenanteil etwa 9 %.Zwei Teilstudien aus einem Forschungsprojekt über soziale Verantwortung von Wirtschaftseliten gehen der Frage nach, warum es kaum Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen gibt.Der erste Teil des Beitrags handelt vom Scheitern eines Gleichstellungsgesetzentwurfs für die deutsche Wirtschaft und seiner Transformation in eine freiwillige Vereinbarung.Im zweiten Teil werden Deutungsmuster sozialer Ungleichheit bei Führungskräften der Wirtschaft herausgearbeitet, bei denen sich zeigt, dass Geschlechterungleichheit im Management als natürliche und damit unabänderliche Tatsache begriffen wird.
Source: WSI-Mitteilungen
Author: Annette von Alemann
Language: German
Subfield: Gender Studies
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W2284614809
