Year: 2010
Type: article
Abstract: Mit ungeheurer Vehemenz und Radikalität wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten unter neoliberaler Dynamik das Gefüge unserer Gesellschaft umgebaut, wobei sich die Lebenssituation und die Alltagsbefi ndlichkeit vieler verschlechtert haben.Atypische Arbeitsverhältnisse, Patchwork-Arbeitskarrieren, Junk-Jobs, die dazu zwingen, dass immer mehr mehrere Jobs haben müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen, Zeitarbeitsverträge ohne arbeitsrechtliche Sicherheit und ohne Ansprüche, brüchige Karrierewege, Studienabschlüsse ohne Garantie; das Niveau der Arbeitslosigkeit ist hoch und steigt, die Population an und unter der Armutsgrenze wächst.An einigen Aspekten soll hier gezeigt werden, wie die marktmäßigen Mechanismen, die zur Prekarisierung der Arbeitswelt führten, von lebensweltlich bedingten Mechanismen unterfüttert, unterschiedlich wahrgenommen und verarbeitet werden. 1 Der Neue Geist des Kapitalismus (nach Chiapello & Boltanski 2003) kam hierzulande im Vergleich zu westeuropäischen Industriestaaten verhältnismäßig spät in Schwung.Bis in die 2. Hälfte der 1980er Jahre waren Arbeitnehmer/innen in der österreichischen Struktur der Kleinund Mittelbetriebe und im ausgebauten Wohlfahrtsstaat gut eingebettet.Mit dem Umbau zur postfordistischen Arbeitswelt und dem Einzug neoliberaler Marktwirtschaft begann das bis dahin gut verankerte Leitbild sozialstaatlich regulierter und sicherer Lohnarbeit zu bröckeln.Da es nun immer deutlicher darum ging, die Vorherrschaft des freien Marktes zu sichern, hatten sich die Menschen auch hierzulande an der Norm der neoliberalen Umstrukturierung auszurichten und vor ihr zu bestehen.Anthropologisch gesehen bedeutet diese Entwicklung, dass der Mensch fl exibel zu sein und sich fl uiden Verhältnissen anzupassen hat.Das meint sowohl das Verhältnis zu Raum, zu Zeit und Arbeit, wie auch sein Verhältnis zu sozialen Gefügen, 2 was neue Einstellungen und neues Handeln erfordert.Zeit muss arbeiten, Rastlosigkeit und Aktivität bestimmen den Alltag, die Grenzen zwischen Produktion und Reproduktion werden ununterscheidbar, Privatheit und Öff entlichkeit sind nicht mehr zu trennen, Kreativität wird zur Pfl icht.Der Mensch ist zum selbst
DOI: 10.1553/wpsa11s1
Author: Elisabeth Katschnig-Fasch
Language: German
Subfield: Safety Research
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W2299275266
