Year: 1953
Type: article
Abstract: Die Zugehörigkeit unseresLandes zu vier Sprachgebieten und der Verlauf der daherigen Sprach¬ grenzen ist allgemein bekannt1.Weniger erschlossen sind dagegen die Dialektgebiete.Wohl ver¬ fügen wir über E. Steiners Dialektkarte der deutschen Schweiz.Auch finden sich in verschiedenen wissenschaftlichen Werken Dialektkarten der französischen und der italienischen Schweiz und Räto- romanisch-Graubündens.Während sich aber die Sprachenkarten der Schweiz auf gemeindeweise Ergeb¬ nisse der mit den eidgenössischen Volkszählungen verbundenen Sprachenstatistik stützen können, müssen Dialektkarten auf Grund zahlreicher Einzeluntersuchungen der Sprachwissenschafter und Mundart¬ forscher bearbeitet werden.So ist der Entwurf einer annähernd genauen und sprachwissenschaftlich einwandfreien Dialektkarte der deutschen Schweiz, etwa im Maßstab 1:400 000 nach dem heutigen Stande der Mundartforschung nicht möglich, weil das Netz der vorhandenen Einzeluntersuchungen noch viele größere und kleinere Lücken aufweist.Erst der gegenwärtig in Vorbereitung befindliche schweizerdeutsche Sprachatlas wird das umfassende Material bieten, das die Bearbeitung einer solchen Dialektkarte ermöglicht2.Da natürlich nicht die einzelnen Lokalmundarten, sondern, von einigen Ausnahmen abgesehen, nur Mundartgruppen dargestellt würden, so müßte vorerst einmal die Zahl dieser Gruppen und ihre genaue Abgrenzung feststehen, was heute noch nicht der Fall ist.Selbst wenn das lückenlose Quellenmaterial vorliegt, bleibt die Feststellung der Mundartgrenzen noch immer eine schwierige Aufgabe.Besonders im schweizerischen Mittelland, wo die Dialekte oft nur ganz allmählich ineinander übergehen, wird in vielen Fällen die Zuteilung einzelner Gemeinden oder selbst ganzer Bezirke zum einen oder andern Dialektgebiet fraglich sein.Unter dem Einfluß großer Verkehrszentren wie Zürich, Basel, Bern, kommt es zu Verschiebungen der Mundartgrenzen.Alle diese besonderen Verhältnisse können kartographisch nur durch Übergangsoder Einflußzonen und durch Pfeile, welche das Vorrücken gewisser Dialekte andeuten, richtig dargestellt werden.Trotz der Unvollkommenheit des bisher Erreichten können wir doch versuchen, unter Weg¬ lassung alles Problematischen eine allgemeine Übersicht über die Einteilung der Schweizer Mund¬ arten zu gewinnen, womit sich auch die Grundlagen zur Erfassung der Vielfalt der schweizerischen Kulturlandschaft etwas verbreitern lassen.Deutsche Schweiz Die deutsche Schweiz gehört zum alemannischen und zwar, mit Ausnahme der Stadt Basel, zum hochalemannischen Sprachgebiet.Nur die Mundart der 400 Ein¬ wohner zählenden graubiindnerischen Gemeinde Samnaun ist bayrisch (tirolerisch).Die neueste Einteilung des Gesamtalemannischen ist in groben Zügen folgende:
Source: Geographica Helvetica
DOI: 10.5194/gh-8-1-1953
Author: M. Wehrli
Language: German
Subfield: Linguistics and Language
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: diamond
OpenAlex ID: W2320133997
