Work

Der Minya Konka: eine geographische Skizze

Year: 1947
Type: article
Abstract: Aquarellenund Zeichnungen des Verfassers Im innersten Westen von China, an der Grenze der Provinzen Szetschwan und Sikang, erhebt sich ein unübersehbarer Wall von Bergen.Die Gebirgszüge aus dem mittleren und nördlichen Tibet biegen hier nach Süden um, gegen Hinterindien hin, "und bilden eine schier unüberwindliche Barriere zwischen den fruchtbaren, dicht bevölkerten innerchinesischen Provinzen und dem einsamen tibetanischen Hochlande.Die Ströme aus dem Innern Tibets suchen hier vergeblich nach Osten gegen das Chi¬ nesische Meer hin durchzubrechen.Sie werden nach Süden abgelenkt und erzwingen sich durch abgrundtiefe, finstere Urwaldschluchten einen Ausweg zu den hinter¬ indischen Küsten.Nur einer dieser Ströme, der nördlichste und zugleich größte von ihnen, der Jangtsekiang, ist stärker als die Mauern des Gebirges.In langer Irrfahrt und über tausend Stromschnellen bohrt er sich einen Durchbruch nach Osten.Diese Ströme neben dem Jangtsekiang sind es der Mekong, der Salwen und der Irawadi werden im chinesisch-indischen Grenzraum zu einem Flußbündel zusammengeschnürt, das auf der ganzen Erde kaum seinesgleichen findet.In Abständen von 15 bis 25 km ziehen sie auf langer Strecke parallel nach Süden.Ihre Schluchten, ihre reißende Gewalt, das Fehlen von Brücken verhinderte im Verein mit den hohen Bergzügen durch die Jahrtausende jeden stärkern direkten Verkehr zwischen den Völkern Vorderindiens und Chinas.Geradzu tollkühn muten uns die Stromüberque- rungen der Eingeborenen mittels weitund hochgespannter Bambusseile an.So "bildet dieses westchinesische Gebirgs-und Stromland nicht nur eine Barriere gegen die tibetanischen Einöden, sondern ebensosehr eine Scheide zwischen den beiden großen Kulturvölkern Asiens, den Indern und den Chinesen.Der Ostrand dieser Barriere schwingt sich in der Minya Konka-Kette zu einer gewaltigen, mit den Himalaja¬ riesen rivahsierenden Höhe empor.Von diesem Bergzug, einem Teil des Jünlingschanoder Niaronggebirges, soll in den folgenden Zeilen die Rede sein.Der Leser denke sich, er flöge in einem Flugzeug hoch über das mittelchinesische Berg-und Hügelland.Es wäre Sommerszeit, Monsunzeit.Er halte Ausschau nach Westen hin.Er erwarte dort einen weiten Kranz hoher Berge zu sehen, die Zackenkrone dieses westchinesischen Gebirgszuges.Statt dieses Gebirges aber würde sich vor seinem Auge ein uferloses, wogendes Meer von Nebel ausbreiten.Plötzlich jedoch würde er etwas Wunderbares erblicken: In weiter Ferne, mitten über dem Grau des Wolken¬ meeres, eine Flamme, eine einzige, steil aufragende Klippe, ein Berg, eine Eispyramide, vom Golde der steigenden Sonne bestrahlt.Das ist Chinas höchster Berg, der Minya Konka, der große Unbekannte, von den frommen Mönchen jenes Gebirgslandes seit Jahrhunderten als ein heiliger Berg ver¬ ehrt.Uns aber, der Außenwelt, der Wissenschaft, blieb er bis in die jüngste Zeit hinein verhüllt, verborgen wie ein verwunschenes Zauberschloß.Zu einer Zeit, da der Hima¬ laja, der Karakorum und andere Riesengebirge der Erde längst bis in die abgelegensten Winkel durchstöbert waren, da von diesen andern Gebirgen längst ziemlich genaue Karten und zahllose Beschreibungen vorlagen, kannte man den Minya Konka noch nicht einmal dem Namen nach.Er blieb verborgen hinter einem breiten Wall von Vor¬ gebirgen und verhüllt durch die sommerlichen Wolken.Da, wo dieser Berg steht, zeigten die Landkarten noch vor zwanzig Jahren weiße Flecken von der Ausdehnung -der Schweiz, leere Flächen mit der Bezeichnung «unerforscht».Oder sie gaukelten uns
Author: E. Imhof
Language: German
Open Access status: diamond
OpenAlex ID: W2328519257
FWCI: 3.423
Cites: 3
Cited by: 3
Related to: 10