The Coca-leaf - miracle good or social menace?
Year: 2010
Type: dissertation
Abstract: Indigene Völker finden sich beinah täglich mit dem Umstand konfrontiert, dass sie weiterhin um gewisse Grund- und Menschenrechte kämpfen müssen, meist aufgrund der Tatsache dass sie in den Ländern, die sie bewohnen, eine Minderheit darstellen. Dies in Kontroverse zu der Tatsache, dass ihnen, auf Basis des Umstandes dass sie nicht eine dominante Gruppe in der Gesellschaft darstellen , zusätzlich zum allgemeinen Menschenrechtsschutz weitere, spezielle Rechte und Schutzpflichten von Seiten des Staates zustehen. Besonders im Bereich der kulturellen, traditionellen und religiösen Rechte finden mit Regelmäßigkeit Rechtsverletzungen statt oder treten juristische Kontroverse auf, die Personen indigener Gruppen an einer freien und friedvollen Auslebung ihrer eigenen Kultur, ihrer Lebensform, hindern. Ein Konfliktbeispiel in diesem Zusammenhang ist die Koka-Pflanze, einerseits ein traditionelles, der Kultur inhärentes, Objekt der indigenen Kultur in den Anden, andererseits ein international pönalisierter und gefürchteter Rohstoff. In dieser Arbeit ist es mein Ziel, ebendiese Dichotomie zu diskutieren, die aktuellen Debatten aufzuzeigen, beständige Bemühungen zur Legalisierung des Koka-Blattes von Vereinen, Organisationen und Vertretern indigener Völker, die sich für eine Streichung des Koka-Blattes von der Liste verbotener Substanzen der Drogen- Rahmenkonvention von 1961 bemühen, zu kanalisieren. Eine zentrale Argumentationslinie in dieser Hinsicht wird sein, dass Vertreter indigener Völker, wie auch Menschenrechtsvertreter, diese Streichung fordern, da ein Verbot des Koka-Blattes eine Verletzung der traditionellen, kulturellen und Identitäts- Rechte der indigenen Völker des Andenraumes repräsentiert und die Pflanze, als Kernelement der andinen Kultur, einen differenzierteren Status im internationalen Gesetz innehaben sollte. Indigene Völker des Andenraumes klagen, dass ihre spezifischen Menschenrechte verletzt werden, da ein inhärenter Teil ihres Seins auf internationaler Ebene unterdrückt und stigmatisiert wird, anhand der Drogengesetzgebung der Vereinten Nationen in diesem Bereich, und der respektiven Auswirkung auf regionaler Ebene. Im Gegensatz dazu stehen die für die internationale Drogenkontrolle verantwortlichen Organe der UNO, wie etwa das International Narcotics Control Board (INCB), das in seinem letzten Statement in dieser Angelegenheit seinem rigiden Ansatz treu bleibt und weiterhin keinerlei Koka in keinerlei Form oder Art toleriert. Diese Politik kommt praktisch einer Illegalisierung des Koka gleich und verbietet jegliche Kommerzialisierung der Pflanze oder ihrer Blätter außerhalb der traditionellen Anbaugebiete: Bolivien und Peru . Als Diskussionsbasis, sollen einerseits die relevanten internationalen Drogenkonventionen und –Abkommen, und andererseits die internationalen Gesetze über die Rechte indigener Völker , aber auch die allgemeinen Menschenrechtstexte, analysiert und in Beziehung gesetzt werden. Ein Ziel wird sein, die relevanten Diskrepanzen, Dichotomien und Widersprüchlichkeiten im Hinblick auf die Unterdrückung des Koka-Blattes, der Drogenbekämpfung und die geforderte Garantie des Menschenrechtsschutzes und der persönlichen Freiheiten zu thematisieren und in den Kontext dieser Arbeit zu setzen. Die zwei Andenstaaten Peru und der plurinationale Staat Bolivien gehören zu den Hauptproduzenten des Kokablattes weltweit. Beide Staaten haben eine vergleichsweise hohe Bevölkerung indigener Gruppen (Völker), vor allem im andinen Hochland. Kürzlich fanden im plurinationalen Staat Bolivien signifikante Verfassungsänderungen statt, die die politische Gewichtung und Lage der indigenen Völker im Staat und die Thematisierung der Koka-Pflanze als nationales Kulturgut weitgreifend veränderten . Diese aktuellen Entwicklungen werden in ihren relevanten Kontexten auch in diese Arbeit einfließen. Weiters ist es meine Absicht, eine ausführliche und verständliche Genesis der Koka-Pflanze und ihres Bedeutungsspektrums auf nationalem wie auch internationalem Level vorzulegen, wobei besonders auf die mythologische Entstehungsgeschichte des Blattes, seiner kontemporären Bedeutung, der traditionellen Nutzungsformen und deren kulturelle Relevanz eingegangen werden wird. In dieser Hinsicht werden auch Studien zu den nutritiven Eigenschaften der Pflanze und Debatten um ihre negativen und positiven Eigenschaften auf den menschlichen Organismus analysiert werden, wofür Daten und Ergebnisse aus unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungen herangezogen werden, jedoch unter Berücksichtigung von Erfahrungsberichten indigener Vertreter (Praktizierende) selbst. Ein vorrangiges Ziel in diesem Zusammenhang ist, eine klare Abtrennung zwischen der natürlichen Pflanze (dem Rohstoff) und der verarbeiteten Substanz Kokain zu schaffen. Primäres Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, dass einige schwere Menschenrechtsverletzungen an indigenen Völkern im Zuge des und mit Legitimation durch den war on drugs begangen werden. Besonders die kollektiven kulturellen und traditionellen, sowie auch die wirtschaftlichen Rechte indigener Völker in den Anden werden noch immer auf diverser Ebene durch die internationale Drogengesetzgebung und deren Implementierung verletzt, sei es durch Stigmatisierung der traditionellen Lebensweise und Rituale, durch Behinderung eines möglicherweise durchaus lukrativen Weges zur Subsistenzwirtschaft oder direkte gewalttätige Übergriffe auf Individuen in den Anbaugebieten.
Source: University of Vienna
Author: Heitzeneder, Angela
Language: German
Subfield: Law
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: green
OpenAlex ID: W2339029588
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