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Das Streben nach Konsistenz im Entscheidungsprozess - Eine Untersuchung möglicher Einflussfaktoren

Year: 2010
Type: dissertation
Abstract: Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, das Verständnis des Konsistenzmaximierungsprozesses in probabilistischen Inferenzentscheidungen durch die gezielte Untersuchung potentieller Einflussfaktoren zu vertiefen. Das Streben nach Konsistenz und seine Untersuchung wurden im theoretischen Teil der Arbeit zunächst allgemein betrachtet. Hierbei wurde die historische Entwicklung von der Gestaltpsychologie zu den Parallel Constraint Satisfaction (PCS)-Ansätzen aufgezeigt. Daraufhin wurde das Thema Konsistenz spezifisch für den Kontext der Entscheidungspsychologie, auf den in dieser Arbeit fokussiert wurde, betrachtet. Es wurden Theorien und Modelle vorgestellt, in denen der Aspekt der Erhöhung von Konsistenz zentral ist. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem PCS-Modell für probabilistische Inferenzentscheidungen von Glöckner und Betsch (2008b) gewidmet, in dem der Prozess der Konsistenzmaximierung den Kernmechanismus eines jeden Entscheidungsprozesses darstellt. Anschließend wurden Befunde empirischer Arbeiten, in denen die Maximierung von Konsistenz als systematische Reevaluation von Informationen im Entscheidungsprozess erfasst wurde, vorgestellt. Anhand dieser Befunde wurde dargelegt, dass die Erhöhung von Konsistenz als wichtiger Bestandteil des Informationsverarbeitungs-prozesses verstanden werden kann und die Suche nach Faktoren, die einen Einfluss auf die Stärke prädezisionaler Informationsumwertungen haben, erforderlich ist. Im Anschluss an diese theoretischen Ausführungen wurde zum empirischen Teil der Arbeit übergeleitet: Auf Basis des PCS-Modells für probabilistische Inferenzentscheidungen wurden Charakteristika der Situation und der Person, die einen Einfluss auf die Stärke der prädezisionalen Umwertung von Cue-Validitäten haben können, untersucht. Hierfür wurden insgesamt sieben Experimente und drei Simulationsstudien durchgeführt. Im ersten Experiment konnte unter Verwendung eines Solomon-Viergruppenplans der wichtige Nachweis erbracht werden, dass prädezisionale Reevaluationen in probabilistischen Inferenzentscheidungen auf die Reflexion über eine Entscheidungsaufgabe zurückgeführt werden können. Im folgenden zweiten Experiment wurde untersucht, ob systematische Reevaluationen von Cue-Validitäten auch bei einer ausgeglichenen Informationslage auftreten und welchen Einfluss die wiederholte Darbietung einer Entscheidungsaufgabe hat. Das erwartungskonträre Ergebnis, dass keine Umwertungen bei einer ausgeglichenen Informationslage aufgetreten sind, gab Anlass zu einer systematischen Untersuchung des Einflusses der Informationslage. In den Experimenten 3 und 4 konnte übereinstimmend gefunden werden, dass systematische Reevaluationen lediglich bei einer unausgeglichenen Informationslage auftreten. Neben dem Einfluss der Informationslage wurden auch personale Faktoren hinsichtlich ihres Einflusses auf die Stärke prädezisionaler Informationsumwertungen untersucht. In den Experimenten 4 und 5 wurden verschiedene personale Faktoren berücksichtigt. Allerdings fand sich für keinen der Faktoren ein überzeugender Zusammenhang. Drei Simulationsstudien sollten zur Klärung der Frage, wie gut das PCS-Modell die empirischen Ergebnisse vorhersagen kann, beitragen. Hierfür wurden Simulationen auf individueller Ebene durchgeführt. Ein wichtiger Befund war, dass bei ausgeglichenen im Gegensatz zu unausgeglichenen Informationslagen die Simulationsergebnisse keinen signifikanten Beitrag zur Vorhersage der Posttest-Validitäten machten, wenn für den Einfluss der Pretest-Validitäten kontrolliert wurde. In zwei weiteren Experimenten wurde erneut der Einfluss der Wiederholung untersucht. Während eine reine Wiederholung einer identisch konzipierten Entscheidungssituation in einer überwiegenden Abwertung von Cues resultierte, führte der Erhalt einer zusätzlichen entscheidenden Information eher zu einer systematischen Umwertung von Cues. Zusammenfassend war festzuhalten, dass die Annahme bidirektionaler Prozesse in der Entscheidungsfindung gestützt werden konnte. Allerdings waren weder die größtenteils moderate Evidenz für systematische Umwertungen noch das Ausbleiben selbiger bei ausgeglichenen Informationslagen nach dem PCS-Modell zu erwarten gewesen. Vor dem Hintergrund bereits bestehender sowie in dieser Arbeit erzielter Befunde wurde die Vermutung aufgestellt, dass es gewisser Mindestvoraussetzungen für das erfolgreiche Wirken des Konsistenzmaximierungsprozesses bedarf.
Language: German
Open Access status: green
OpenAlex ID: W2342987900
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