Year: 2002
Type: article
Abstract: Die totale Erfassung: Pränataldiagnostik in der SchwangerenvorsorgeVorbemerkung Eltern werden ist heute stärker denn je ein Akt planender Vernunft.Lange Jahre der Verhütung einer Schwangerschaft oder der Verschiebung des Kinderwunsches auf einen späteren, vermeintlich günstigeren Zeitpunkt gehen der Elternschaft oftmals voraus.Technologische Instrumente scheinen dabei eine willkommene Hilfskonstruktion, um nicht-erwünschten Ereignissen oder ungeplanten Vorkommnissen wirksam zu begegnen.Zwar stellt sich das wirkliche Leben oftmals gerade nicht so planbar dar, wie es das Vorhandensein von Tests und Techniken suggeriert, jedoch ist im Bereich der Familienplanung der Stellenwert von technologischen Entwicklungen ungebrochen hoch.Neben den Reproduktionstechnologien wie beispielsweise In-Vitro-Fertilisation bei unerfülltem Kinderwunsch ist es vor allem die Pränataldiagnostik, die ein Instrument planender Vernunft zu sein scheint.Technisch ist es machbar, ein noch nicht geborenes Kind bereits auf seinen Entwicklungsstand hin zu untersuchen und gezielt auf Abweichungen vom »normalen« Genprogramm zu testen.Was technisch machbar ist, wird auch gemacht in einer Gesellschaft, die sich »Problemlösungen von der Präzision wissenschaftlichen Erkennens und von der Präzision technischer Realisierung erwartet« (Mieth 1990:76).Hierbei wird übersehen, dass durch die vermeintlichen Problemlösungen häufig neue, auf einer anderen Ebene angesiedelte Probleme geschaffen werden.Pränataldiagnostik kann Menschen in konfliktreiche Dilemmata und existentielle Entscheidungsnotstände katapultieren, aus denen es keine einfachen Auswege gibt.So entpuppt sich die >Problemlösung< Pränataldiagnostik zugleich als ein >Problemgenerator<, nämlich immer dann, wenn Komplikationen auftreten.Das kann mit dem Verlust eines natürlichen Schwangerschaftserlebens beginnen, sich auf das Erleiden einer medizinisch induzierten Fehlgeburt 1 beziehen oder in der Mitteilung eines auffälligen Befundes gipfeln.Besonders deutlich illustriert dies das Beispiel einer pränatal festgestellten Trisomie 21 (Down-Syndrom).Als Schlusspunkt einer mehrstufigen Diagnostik konfrontiert dieser Befund die prospektiven Eltern mit der Alternative Fortsetzung oder Abbruch der Schwan-1 Das Risiko einer iatrogen verursachten Fehlgeburt bei einer Amniozentese liegt in der derzeitigen Praxis bei etwa 1% (vgl.Wüstner 2000:138-140).
Source: Feministische Studien
DOI: 10.1515/fs-2002-0207
Author: Marion Baldus
Language: German
Field: Medicine
Domain: Health Sciences
Open Access status: green
OpenAlex ID: W2403613461
