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Der Raum und die Geschichte am Beispiel der Stadtgeschichtsforschung

Year: 2013
Type: book-chapter
Abstract: in den spa ¨ten 1990er Jahren und den Folgejahren intensivierte sich der Blick auf die Geschichte des Raums.Die Anthropologie, die Semiotik, die Literaturwissenschaften, naturgema ¨ß die Geographie mit ihren vielen Teilgebieten und die Medienwissenschaften ru ¨ckten den Raum ins Zentrum ihrer U ¨berlegungen und o ¨ffneten der Forschung Tu ¨ren.Der Osteuropahistoriker und Schrittmacher des "spatial turn" Karl Schlo ¨gel (geb.1948), dessen essayistische Werke viel zur Popularisierung dieses neuen Raumversta ¨ndnisses beitrugen, formuliert am Beginn des 21.Jahrhunderts: "Einer der Aspekte der Entfaltung der Ra ¨umlichkeit menschlichen Daseins oder menschlicher Geschichte ist die Entdeckung von den vielen Ra ¨umen, von der Pluralita ¨t der Ra ¨ume.Dies kann auch nicht anders sein.Wenn Ra ¨ume nicht nur ‚da sind' als tote, passive Bu ¨hne und Beha ¨ltnisse, wenn sie vielmehr geschichtlich konstituiert sind, eine Genese, eine Verfaßtheit, eine Verfallszeit, auch ein Ende haben ko ¨nnen, dann ergibt sich daraus auch, daß es viele Ra ¨ume gibt." 3 Die postmoderne "Dynamisierung des Raums mit ihren U ¨berlappungen, Grenzu ¨berschreitungen und fließenden U ¨berga ¨ngen" 4 erschien typisch.Pointiert und polemisch ko ¨nnte man sagen, dass die Geschichtswissenschaft als eine "immaterielle Zeitwissenschaft", wo der Raum eine unausgeleuchtete (Neben-)Rolle spielt, und die Geographie als eine "zeit-und geschichtsferne Disziplin" im interdisziplina ¨ren Rahmen des "spatial turn" versta ¨rkt zusammengefu ¨hrt werden 5 -keineswegs der erste Versuch einer Engfu ¨hrung dieser beiden verwandten, doch nicht sonderlich kooperierenden Disziplinen.Der sich als interdisziplina ¨rer Zugang verstehende "spatial turn" erfuhr vor allem durch (aus historischer Perspektive verstanden) Nachbarwissenschaften wichtige Anregungen.So brachte der Soziologe Georg Simmel (1858-1918) schon eine fu ¨r das neuere Versta ¨ndnis von Raum wichtige Feststellung ein, indem er den Raum nicht als unwandelbare Gro ¨ße, sondern als durch Vergesellschaftung, und infolge von Sozialbeziehungen konstruiert, auffasste.Simmel maß dem Raum verschiedene Grundqualita ¨ten wie "Ausschließlichkeit, Zerlegbarkeit, Fixierung, Nachbarschaft bzw.Na ¨he-Distanz-Relationen" 6 bei und lehnte damit eine Art absolutistische Annahme, dass es Raum ohne menschliche Empfindung ga ¨be, ab.Raum besteht damit innerhalb menschlicher Empfindungen und als Folge von menschlichen Interaktionen und Relationen.Paradigmatisch erscheint auch die Anna ¨herung der deutschen Soziologin Martina Lo ¨w (geb.1965) 7 an eine Soziologie des Raumes.Lo ¨w formulierte im Kern, dass physisch existente Ra ¨ume erst durch Handlungen und Wahrnehmungen 3 Schlo ¨gel, Im Raume lesen wir die Zeit (wie Anm. 2), S. 68. 4 Bachmann-Medik, Spatial Turn (wie Anm.1), S. 293. 5 Axel Gotthard, Wohin fu ¨hrt uns der "Spatial turn"?U ¨ber mo ¨gliche Gru ¨nde, Chancen und Grenzen einer neuerdings diskutierten historiographischen Wende, in: Mikro -Meso -Makro.
Language: German
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W2482015015
FWCI: 5.775
Cites: 15
Cited by: 4
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