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Regionale Gebrauchsstandards – Gibt es sie und wie kann man sie beschreiben?

Year: 2005
Type: book-chapter
Abstract: Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob es im Deutschen regionale Gebrauchsstandards gibt und wie diese wissenschaftlich zu erforschen und zu beschreiben sind.Im ersten Abschnitt wird kurz der Forschungsstand erläutert und die These vertreten, dass man im Deutschen sprechsprachliche, gewissermaßen schriftferne Sprachgebrauchsstandards annehmen muss und dass man diese zielgerichtet untersuchen und beschreiben sollte.Im zweiten Abschnitt werden einige Beispiele für Merkmale der sprechsprachlichen Standards exemplarisch vorgestellt, um deutlich zu machen, welche Beschreibungsaufgaben sich ergeben.Danach wird die Frage erörtert, wie viele bzw.welche Gebrauchsstandards für das Deutsche in Deutschland unterschieden werden können/müssen -dies auch aufgrund von Anregungen vonseiten der Sprachdidaktik im Bereich Deutsch als Fremdsprache (Abschnitt 3).Im vierten Abschnitt handelt es sich um die Forschungs-und Beschreibungsaufgaben, wie sie in Bezug auf diese Frage im Institut für Deutsche Sprache gesehen werden und wie sich am IDS laufende Vorhaben in den Forschungskontext einfügen.* Dieser Vortrag entstand im Rahmen des IDS-Projekts "Variation des gesprochenen Deutsch" unter Mitarbeit von Stefan Kleiner und Ralf Knöbl. 1 Umgangssprache z.B. in der Definition von Mihm (2000), S. 2107; Standardsprache z.B. in der Definition des Duden, vgl.Duden-Aussprachewörterbuch (2000, Vorwort).in zwei verschiedenen Dimensionen zu sehen: erstens einer geographischen oder horizontalen und zweitens einer vertikalen Dimension.Bezüglich der horizontalen Dimension gehe ich im Anschluss an Wolf (1994) 2 davon aus, dass das Deutsche in erster Linie weniger als eine plurinationale (Ammon 1995), sondern vielmehr als eine pluriareale Sprache zu betrachten ist und dass auch innerhalb der deutschsprachigen Länder mehrere Sprachlandschaften zu differenzieren und zu untersuchen sind.3 Unter dem Gesichtspunkt der vertikalen Dimension sind die regionalen Gebrauchsstandards im Rahmen der Variations-und Varietätenlinguistik zu sehen.Es herrscht diesbezüglich in der deutschen Sprachwissenschaft ein weit verbreitetes traditionelles Betrachtungsschema, das von einer grundlegenden vertikal ausgerichteten Dichotomie "Hochsprache -Dialekt" ausgeht, mit einer dazwischen liegenden Schicht, die als Umgangssprache, Regionalsprache oder auch als (neuer) Substandard (Bellmann 1983) angesehen wird; eine typische Veranschaulichung dieses Modells findet sich z.B. im dtv-Atlas (vgl.König 1996).Man hat sich mit regionaler Variation in der Forschung bisher vorzugsweise mehr oder weniger nur in Bezug auf die "unteren" Schichten der vertikalen Skala -also mit Dialekten und Umgangssprachen beschäftigt.In der letzten Zeit sind einige Publikationen erschienen, die die regionale Variation explizit in Bezug auf die Standardsprache untersuchen.Besonders im Zusammenhang mit der Diskussion um die Plurizentrizität des Deutschen ist die Variation in der Standardsprache etwas mehr in den Blickpunkt der Forschung gerückt (vgl.z.B.Wiesinger 1988; Ammon 1995; Polenz 1999).In der jüngeren Forschung versucht man, die regionale Variation im Rahmen von Gebrauchsstandards zu sehen.So hat Ammon (1995) im Rahmen seines Konzepts der Plurinationalität des Deutschen auch Gebrauchsstandards konzipiert.Er nutzt das Kriterium der Kodifizierung, um den Gebrauchsstandard von der jeweiligen nationalen Standardvarietät abzugrenzen.Die nichtkodifizierten Varianten, die in Modelltexten wie z.B. überregionalen Nachrichtensendungen vorkommen, stellen den "Gebrauchsstandard" dar.Diese Kennzeichnung soll implizieren, dass bestimmte Formen im Sprachkodex nicht als standardsprachlich ausgewiesen sind.Ammon unterscheidet demnach im Rahmen der Modelltexte verschiedene Schichten des Standards: den kodifi-Nina Berend 144 2 Wolf (1994) schreibt dazu: "Vorerst scheint es mir günstiger und adäquater zu sein, das Deutsche als eine pluriareale Sprache zu bezeichnen" (S. 74).Er plädiert dafür, auch innerhalb einzelner deutschsprachiger Länder mehrere Sprachlandschaften zu differenzieren.3 Dies ist gerechtfertigt insbesondere auch in Bezug auf die Sprecherperspektive. Denn auch Ulrich Ammon geht offensichtlich davon aus, dass gegenwärtig das regionale Sprecherbewusstsein (noch?) stärker bzw.wichtiger ist als das nationale (vgl.
Author: Nina Berend
Language: German
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W2502097429
FWCI: 3.591
Cites: 11
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