Year: 1991
Type: article
Abstract: Frauen -Männergewalt -Rassismus Im Sommer 1989 wurde eine türkische Frau N. von ihrem türkischen Exfreund vergewaltigt und gefoltert.Darüber hinaus entführte er ihr gemeinsames Kind und ließ es -durch eine Freundin seines Freundes -in die Türkei bringen.Damit wollte der Täter nach eigenen Aussagen seine ehemalige Freundin zwingen, sich aus der feministischen Szene zurückzuziehen.Die Unterstützerinnen von N. versuchten unter anderem, den Aufenthalt des Kindes ausfindig zu machen (was schließlich gelang, der Junge konnte zurückgebracht werden) und forderten die Mitglieder eines türkischen Kneipenkollektivs zur Mithilfe auf.Einer aus diesem Kollektiv war an der Entführung des Kindes beteiligt gewesen.Als dieser Versuch scheiterte, boykottierten sie für eine Woche das Lokal.Diese Aktion wurde von Gruppen und Individuen der linken Szene 1 als »Sippenhaft« kritisiert.Das politische Resultat der Gewalttat war ein Auseinanderbrechen der türkischen feministischen Gruppe, in der N. aktiv gewesen war.Linke türkische Organisationen spalteten sich, auch gab es Brüche zwischen diesen und anderen deutschen und eingewanderten Gruppen, die bisher in Fragen der Einwanderungspolitik zusammengearbeitet hatten.An diesem »Fall« interessiert uns, wie Rassismus und Sexismus im alltäglichen Handeln zusammenwirken und politisches, emanzipatorisches Handeln blockieren.Unser Augenmerk richtet sich nicht auf die Erfahrungen der vergewaltigten und gefolterten Frau, sondern lediglich auf die Argumente, mit denen sowohl die Tat als auch die politische Unterstützung der betroffenen Frau erklärt und begründet wurde.Warum diese Beschränkung?Einmal wollen wir N. nicht zu unserem Untersuchungsobjekt machen.Eine Auseinandersetzung mit den spezifischen, individuellen Bedingungen und Folgen der Tat für N. ist u.E.am ehesten aus der Perspektive von Feministinnen aus der Türkei möglich.Wir werden uns auch nicht im Einzelnen damit befassen, wer wann was gesagt und getan hat.Statt dessen beziehen wir uns auf Zeitungsberichte und Leserinnenbriefe aus der taz.Wir beschäftigten uns also ausschließlich mit Äußerungen von Personen, die sich der Linken, den Feministinnen oder beiden Gruppierungen zuordnen, weil es uns um politische Handlungsmöglichkeiten geht.Im ersten Teil werden wir uns mit Versuchen auseinandersetzen, Vergewaltigung zu erklären.Im zweiten Teil werden wir die Handlungen und Handlungsbedingun-Feministische Studien 2/} 1
Source: Feministische Studien
DOI: 10.1515/fs-1991-0205
Authors: Annita Kalpaka, Nora Räthzel
Language: German
Subfield: Gender Studies
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W2595089339
