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Die Konstrukteure des Geschlechts auf frischer Tat ertappen?

Year: 1993
Type: article
Abstract: Die Konstrukteure des Geschlechts auf frischer Tat ertappen?Methodische Konsequenzen einer theoretischen Einsicht Die feministische Theoriebildung zum Prozeß der Geschlechterdifferenzierung im Subjekt hat ihre Blickrichtung verändert.Forderte die Frage nach weiblicher Sozialisation Ende der 70er Jahre dazu auf, Wege der Einflußnahme auf Kinder zu beobachten und diskriminierende -Differenz und Benachteiligung zugleich vermittelnde -Erziehungspraktiken zu beleuchten, so wird heute weit stärker auf die Eigentätigkeit in der Aneignung von weiblicher oder männlicher Geschlechtsidentität geschaut.Dieser Wandel wird an der Neubearbeitung deutlich, die Helga Bilden an ihrem Handbuchartikel »Geschlechtsspezifische Sozialisation« 1991 vorgenommen hat.In der ersten Fassung 1980 ging sie von der Notwendigkeit aus, Wege der Sozialisation zu beschreiben, wobei sie damals schon den Gesichtspunkt der »kognitiven Selbstsozialisation« durch die Mädchen und Jungen selbst hervorgehoben hat.1991 nun verweist sie die Vorstellung einer weiblichen (männlichen) Sozialisation insgesamt als seinerzeit sinnvolles, heute aber unbrauchbares Konzept in die Geschichte der Frauenbewegung zurück.Fragen nach gesellschaftlicher Einwirkung auf die Entstehung geschlechtstypischer Muster im Verhalten, Denken und Gefühlsleben »laufen fast zwangsläufig auf die Konstruktion eines männlichen und eines weiblichen Sozialcharakters hinaus« (Bilden 1991, S. 279), reproduzieren so den kulturellen Geschlechterdualismus und trennen zudem unzulässigerweise zwischen Individuum und der es formenden Gesellschaft.Heute sei die Entwicklung der Individuen, gerade auch im Hinblick auf ihr Geschlecht, als »Selbstbildung in sozialen Praktiken« zu deuten.Damit zieht Bilden ihre Konsequenzen aus einer Diskussion, die im angelsächsischen Sprachraum weit länger und vor allem intensiver geführt worden ist.Schon 1975 hatte Gayle Rubin in die damals lebhafte Debatte um die Universalität und den Ursprung des Patriarchats die brisante These geworfen: »Wir werden nicht allein als Frauen unterdrückt, sondern wir werden dadurch unterdrückt, daß wir Frauen (oder Männer) zu sein haben« (Rubin 1975, S. 204).Dieser Gedanke, daß die Geschlechterdifferenz kulturell erzeugt ist, wurde durch eine Verbindung mit dem ethnomethodojogischen Ansatz fruchtbar, mit deren Hilfe Alltagsvorgänge in der eigenen Gesellschaft verfremdet und wie aus der Sicht einer anderen Kultur wahrgenommen werden sollen.Das Geschlecht, in dieser Sicht, ist nicht etwas, was wir »haben« oder »sind«, sondern etwas, was wir tun.Begleitend und Feministische Studien 2/93
Language: German
Subfield: Gender Studies
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W2596663486
FWCI: 3.595
Cites: 3
Cited by: 149
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