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Genèse de la mise en scène moderne, une hypothèse

Year: 2005
Type: article
Abstract: Ziel dieser Untersuchung ist es nicht nur, den Regisseur André Antoine mit Edgar Allan Poe und die Figur des Regisseurs mit der des Amateurdetektivs in Verbindung zu bringen. Es soil gleichermaßen versucht werden, durch eine neue Lesart des grundlegenden Textes Gespräche über das Inszenieren (1903) eine zweifache Serie von Analogien herauszuarbeiten. Der Entste-hungsprozess der modernen Inszenierung lässt sich so mit denen verbinden, die sowohl im Zolaschen Roman als auch im Detektivroman am Werke sind. Dabei soil folgende Hypothese aufgestellt werden : So wie die Kriminalliteratur und die Psychoanalyse schreibt sich auch die naturalistische Inszenierung des ausgehenden 19. Jahrhunderts in ein von Ginzburg als „Indizien-paradigma" bezeichnetes Muster ein. Nach Ginzburg behält Freud von der von Morelli entwickelten Methode zur Herkunftsbestimmung alter Malereien „den Anstoss zu einer Interpretations-methode, die sich auf das Enthüllungspotential von Abweichungen und Randerscheinungen stützt". Der Regisseur André Antoine könnte sich als Liebhaber der Malerei ebenfalls auf Morelli berufen. Mit dem Unterschied, dass er als Regisseur selbst die aufschlussgebenden Einzelheiten produziert. Janus ähnelnd, streut der zeitgenössische Theaterregisseur als Mitautor des inszenierten Theaterstücks zuerst die Indizien aus, die er dann in der Rolle des ersten Zuschauers zu entschlüsseln sucht. In dieser Verdoppelung ähnelt er dem Schriftsteller der detective story, der zuerst eine Verwicklung in die Wege leitet, um sie dann in der Person eines Dupin, Rouletabille oder Sherlock Holmes wieder zu entwirren. Es ist also zu zeigen, dass die moderne Inszenierung nicht nur aus Zufall den Naturalismus ablöst, sondern vielmehr aus ihm heraus entsteht. Ja, dass sich dieser hier vielleicht zum letzten Mai manifestiert, als letzter großer Triumph dieser machtigen literarischen Strömung. Es bedurfte genau dieser naturalistischen Doktrin, dieses Positivismus des Indizienparadigmas, um der Inszenierung das Füllen jenes neuen Raumes moglich zu machen, den die Unvollkommenheit der krisengeschuttelten dramatischen Form aufgerissen hatte.
Source: Genesis
Language: German
Open Access status: green
OpenAlex ID: W270948377
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