Year: 2009
Type: book-chapter
Abstract: Sozialwissenschaften wollen, wie die Naturwissenschaften, die beobachtbaren Phänomene ihres Objektbereichs nicht nur beschreiben und klassifizieren, sondern — mit Rekurs auf ihre Ursachen — auch kausal erklären. Sie teilen dieses Erkenntnisinteresse zwar mit den Naturwissenschaften, differieren von ihnen aber grundsätzlich in ihren Epistemologien, ihren Forschungslogiken und Untersuchungsmethoden. Nicht die Poppersche einheitliche Logik der Wissenschaften, sondern Max Webers Postulat, dass Sozial- und Kulturwissenschaften es mit Gegenständen zu tun haben, die vornehmlich durch interpretierendes Verstehen erklärt werden k ö nnen (Weber 1964: 3), ist die Leitlinie dieser Abhandlung. Folgt man Jürgen Habermas' „ Logik der Sozialwissenschaften “ (1976), dann sind diese als Hybridformen von Kultur- und Naturwissenschaften zu begreifen. Diesem Verständnis zufolge kann soziales Verhalten/Handeln konzeptualisiert werden einmal als intentionales menschliches Handeln (Teilnehmerperspektive) und ein andermal als eines durch strukturelle Bedingungen erzeugtes Handlungsergebnis (Beobachterperspektive). Diese Ambivalenz setzt sich in unterschiedlichen Epistemologien fort: analytische Wissenschaftstheorie für diese, hermeneutische Interpretation für jene Perspektive. Sozialwissenschaften verlangen jedoch nach einer Kombination beider Perspektiven beziehungsweise nach einer Synthesis von struktureller und strategischer Analyse (Giddens 1984: 327ff.), anders gesagt: nach einer „ hermeneutically informed social theory “ (Giddens 1982: 5).
Author: Müller-Jentsch, Walther
Language: German
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W2955978649
