Year: 2013
Type: article
Abstract: Feministische Theorie heute: Die Kunst, ›Nein‹ zu sagenWas ist und wozu heute noch feministische Theorie?Wie wäre, noch vor einer Antwort, allererst die Frage zu verstehen, die die Redaktion der feministischen studien auch sich selbst gestellt hat?Denn deren Beantwortung -zumindest des ersten Teils -mutet auf den ersten Blick tatsächlich vergleichsweise einfach an.Hier würde letzten Endes sogar der Hinweis auf einschlägige Einführungsbände genügen: Bände, die Entwicklungsphasen, verschiedene theoretische Richtungen und Denker_innen, disziplinäre und nationale Zuschnitte feministischer Theorie vorstellen.Zwiespältiger kommt indes der zweite Teil der Frage daher.Dass er rhetorisch motiviert ist, scheint nicht ausgeschlossen.Allerdings!Spontan möchte eine_r vielleicht sogar zustimmen.Die Frage in eine Aussage verwandeln.Wozu heute noch feministische Theorie!Denn ist sie nicht längst ein Unterfangen von gestern?Ein sklerotisches Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit?Der Gegenwart und ihren vielgestaltigen Herausforderungen nicht mehr angemessen, diesen nicht gewachsen?Geschichtsvergessen, blind für die Gegenwart und der Zukunft abgewandt?Der politische Feminismus, schrieb Mechtild Jansen (2006) schon vor etlichen Jahren, habe »als grundlegender gesellschaftlicher Denkansatz, als politische Analyse, politische Theorie und politisches Programm jenseits vieler Einzelheiten fast nichts mehr zu sagen zu den eingetretenen Problemen, den neu aufgetauchten Fragen und den zentralen Themen der Zeit«.Feminismus existiere »nur noch im Jetzt, im Moment, im Haben und Behalten wollen.Das heißt in Wahrheit, er existiert schon nicht mehr.Wenn Frauen sich von nichts mehr befreien wollen, dann hat sich die Sache erledigt.«Ein fulminantes, ein eindeutiges Statement -von einer Feministin!Aber ist damit alles gesagt?Folglich auch die Frage nach der Zukunft der feministischen studien beantwortet?Und dies vielleicht nicht, weil die ›Frauen sich von nichts mehr befreien wollen‹, sondern weil sie längst befreit sind?Schließlich leben wir in einer Republik, die seit acht Jahren von einer Frau regiert wird, in der eine lesbisch-feministische Juristin ans Bundesverfassungsgericht berufen wird und in der selbst die CSU die Quotierung von Parteiämtern (40 %) beschlossen hat.In einer Zeit, in der die Frauenministerin ein Buch mit dem Titel Danke, emanzipiert sind wir selber!(Schröder 2012) veröffentlicht und die US-amerikanische Journalistin Hanna Rosin (2013) das »Ende der Männer« verkündet.In einer Zeit, in der mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss erwerben und die Frauenerwerbsquote so hoch ist wie nie zuvor in der Geschichte der Lohnarbeit.Eine Zeit aber auch, in der Gender Studies bisweilen ein Auskommen an Feministische Studien (
Source: Feministische Studien
DOI: 10.1515/fs-2013-0113
Author: Sabine Hark
Language: German
Subfield: Gender Studies
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
SDG: Gender equality
Open Access status: green
OpenAlex ID: W301175431
