Year: 2020
Type: article
Abstract: Als „Märchen aus der neuen Zeit“ inszeniert Der goldene Topf mit vielfach ironischer Brechung das Aufeinandertreffen von Philisterwelt und poetischem Atlantisreich, was die im Untertitel herbeizitierte Gattung phantastisch verformt. Eigentümlich ist dabei auch die Neuschreibung des Künstlerromans, insofern Anselmus’ dichterische Erziehung sich primär körperlich vollzieht. Die Entdeckung und Erkundung des ästhetischen Wunderlandes drückt sich nämlich immer im Motiv der wonnevollen oder aber grauenhaften Begegnung mit befremdlichen Wesen aus, die in der Außenperspektive als radikal andersartige polymorphe Körper wahrzunehmen sind, dabei auf die Hauptfigur zurückwirken und somit auch von innen am eigenen Leib erfahren werden. In diesem betont physischen Offenbarungsprozess werden Schranken mehrfach markiert und zugleich durchlässig gemacht: einerseits zwischen Alltag und musischem Jenseits sowie zwischen damit verbundenen Darstellungsformen, andererseits zwischen äußerem und innerem Leben als den Polen einer individuellen schöpferischen Dynamik aus beengendem Alptraum und entgrenzendem Rausch.
Source: Cahiers d’études germaniques
DOI: 10.4000/ceg.9371
Author: Évelyne Jacquelin
Institution: Université d'Artois
Language: German
Subfield: Literature and Literary Theory
Field: Arts and Humanities
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W3033165404
