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Die »Sympathie mit dem Tode«

Year: 2020
Type: article
Abstract: Was aber ist das Religiöse?Der Gedanke an den Tod.« (Thomas Mann, GW 1 XI, 423) 2 Der Zauberberg ist zunächst als literaturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand (zur Übersicht vgl.Max 2015) von Interesse: 1924 in zwei Teilen erschienen, ist er der große Roman im mittleren Lebensalter Thomas Manns .Ihn möchte ich über seine Deutung als Zeitroman und mit Hinblick auf das Thema der ›Sympathie mit dem Tode‹ religionswissenschaftlich fruchtbar machen.3 Anknüpfend an Diskurse um Religion und Literatur soll eine Sichtweise versucht werden, die den Roman als religionshistorische Quelle nutzt und dabei auf drei Perspektiven aufbaut: den Kontext der Zeitgenossenschaft, den Kontext des Weltbildes des Autors und der Struktur des Textes selbst.Wie bei jeder Quelle haben wir es hier immer schon mit einer bestimmten Interpretation von Welt und, semiotisch gesprochen, von bereits existenten Texten zu tun.Daher sind Kontext und Text nicht unabhängig voneinander zu betrachten.4 Die entworfene Interpretation ist also keine werkimmanente, sondern versteht sich als Beitrag zum Verständnis der Rezeption und literarischen Transformation von Religion in der Moderne.Dies soll abschließend wieder an die Frage nach Religion und Literatur und deren Operationalisierung in der Religionswissenschaft zurückgebunden werden.5 Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Frage danach, wie sehr und in welcher Weise Thomas Mann im Zauberberg ein Interpretationsmodell zeitgeschichtlicher religiöser Fragen anbietet.Der Zauberberg -Erzählen zwischen den Ebenen 6 Der Zauberberg ist ein Werk gewaltigen Ausmaßes -sowohl was den Umfang des Stoffs und die Entstehungszeit betrifft als auch in der überbordenden Fülle an Zitaten und Intertexten, in seinem Erfindungsreichtum und seiner erzählerischen Finesse.Als ein Beispiel von sowohl ungebrochener Popularität als auch andauernden Die »Sympathie mit dem Tode« Zeitschrift für junge Religionswissenschaft, 15 | 2020 7 Was das Geschehen betrifft, handelt der Roman von Hans Castorp, einem jungen Ingenieur aus Hamburg, der den ärztlichen Rat bekommt, sich vor Antritt seiner Ausbildung in den Bergen zu erholen.Castorp nutzt die Gelegenheit, für drei Wochen zu seinem Cousin Joachim Ziemßen zu fahren, der in Davos in der Schweiz seine Tuberkulose kuriert -bei frischer Luft, ständigem Fiebermessen und reichhaltigen Mahlzeiten im Internationalen Sanatorium Berghof.Dort trifft Castorp auf die Russin Clawdia Chauchat, in die er sich verliebt.Dies plausibilisiert die -äußerlich durch eine leichte Tuberkulose motivierte -Verlängerung seines Aufenthaltes; sieben Jahre werden es sein.Er trifft den Humanisten und Freimaurer Lodovico Settembrini, der Castorp in humanistischer Gesinnung zu erziehen sucht.Er gewinnt Gefallen an immer neuen Experimenten mit seinen Lebensentwürfen, begibt sich in medizinischbiologische Forschungen, karitativ-seelsorgerische Unternehmungen und schläft schließlich mit Frau Chauchat in jener Nacht, bevor sie das Sanatorium verlässt.Im zweiten Teil tritt »noch jemand« (GKFA 2 5.1, 556) 3 auf den Plan: der zur römischkatholischen Kirche konvertierte galizische Jude Leo Naphta, der Jesuitenkandidat ist und als Verteidiger der Inquisition und von heiliger Gewalt (mit stark kommunistischen Zügen) zur Antithese von Settembrini wird.Castorp gewinnt in den Streitigkeiten der beiden um Geist, Natur und Mensch zunehmend Abstand von den beiden.Schließlich kommt Frau Chauchat zurück, mit einem alten, kranken Niederländer: Mynheer Peeperkorn.Der trinkt viel, gibt sich als »Hochzeitsorgan Gottes« 4 und begeht Suizid, nachdem er von dem Verhältnis Castorps mit seiner Begleiterin erfährt -welche daraufhin das Sanatorium verlässt.Zwischen Naphta und Settembrini führt der intellektuelle Streit zum Duell, bei dem Naphta sich selbst erschießt.Wenig später erkrankt Settembrini heftig und bleibt ans Bett gefesselt.Joachim, der Cousin, ist da bereits tot und trotzdem bleibt Hans Castorp, mehr oder weniger gesund, auf dem Berghof, bis ein »Donnerschlag« (1070) die Ärzte zwingt, das Sanatorium aufzulösen: Der Erste Weltkrieg hat begonnen, Castorp wird eingezogen und der Erzähler macht uns keine Hoffnungen, dass er überleben wird.8 Diese Skizze lässt die Frage nach der Religion offen.Christliche Frömmigkeit, wie man sie in der bürgerlichen europäischen Gesellschaft erwarten könnte, wird nicht thematisiert.5 Die Diskussionen zwischen Settembrini und Naphta, in einer Kaskade von lediglich der Handlungsorganisation des Autors verpflichteten Argumenten, erschließen Hans Castorp lediglich weitere Wissensgebiete.9 Eine religionswissenschaftliche Analyse legt die oberflächliche Lektüre des Romans zunächst nicht nahe.Den Verdacht, dass Religion eine bedeutende Rolle spielt, induziert jedoch Thomas Mann selbst in einem Fragment über das Religiöse genannten Schriftstück von 1931: Er sei nicht weit entfernt davon, den Zauberberg einen religiösen Die »Sympathie mit dem Tode«
Language: German
Open Access status: diamond
OpenAlex ID: W3036777973
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