Year: 2016
Type: article
Abstract: Treffend beschrieb Gustav Stresemann in seiner Rede bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 1927 in Oslo Deutschlands "schwersten Verlust" nach dem Endes des ersten Weltkrieges mit der Tatsache, "dass jene geistige und gewerbliche Mittelschicht, die traditionsgemäß Trägerin des Staatsgedankens war, ihre völlige Hingabe an den Staat im Kriege mit der völligen Aufgabe ihres Vermögens bezahlte und proletarisiert wurde."Er gestand ferner zu, dass "der Streit der Geister und vielleicht auch die Praxis der Gesetzgebung bis heute nicht zum Abschluß gekommen" sei.Hintergrund dieser Ausführungen war die "systematische Enteignung des deutschen Mittelstandes" durch eine bürgerliche Regierung -"eine der größten Räubereien der Weltgeschichte" 1 .Ein marxistischer Autor ergänzte diesen Befund mit der Feststellung, dass die Inflationspolitik der Reichsregierung es einer "kleinen Gruppe von Konzern-und Bankherren, Großagrariern, Schiebern und Spekulanten" -Hugo Stinnes mag hier als Paradebeispiel dienen -, ermöglichte, sich "hemmungslos" zu bereichern, während die Mittelschichten, Sparer, Anleihenbesitzer, Hypothekengläubiger und viele andere ohne nennenswerten Sachbesitz mehr oder weniger ruiniert wurden 2 .Diese Befunde wurden auch von bürgerlichen Historikern mehr oder weniger geteilt 3 .Während der amerikanische Historiker Michael L. Hughes zu Recht betont, die Gläubiger hätten in der Inflationspolitik der Regierung einen Verrat gegebener 1
Author: Hans Peter Müller
Language: German
Subfield: Sociology and Political Science
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: diamond
OpenAlex ID: W3175460201
