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Zur Geschichte Der Gestalttheorie in Deutschland

Year: 1963
Type: article
Abstract: Universitiit MiinsterInfolge der geschichtlichen Ereignisse der letzten dreiBig Jahre ist es schwer, die erforderlichen Quellen zu einer halbwegs vollstandigen und zugleich zutreffenden Geschichte der Gestalttheorie in Deutschland zu beschaffen.Es sei darum dem Schreiber erlaubt, in der etwas lockeren Form personlicher Erinnerung zu berichten, wie er mit dieser wissenschaftlichen Bewegung bekannt und vertraut geworden ist.Es war im Winter 1922.Urn sein Studium der deutschen Sprache und Literatur unter der beriihmten Andreas Heusler fortzusetzen, war der Schreiber ein Semester zuvor von Miinchen nach Berlin iibergesiedelt -und hatte den Platz des verehrten Forschers leer gefunden.Heusler war fast zur gleichen Zeit in die Schweiz, seine Heimat, zuriickgekehrt.Z war gab es in Berlin nach wie vor griindlichen -0 nterricht in den verschiedenen germanistischen Teilfachem, aber es fehlte die Erorterung des Grundsatzlichen der Forschung, der Forschung, die er sich von Heusler erhofft hatte; und er begann, sich nach anderen Gelegenheiten zu grwldsatzlicher Orientierung umzuschauen.Dabei geriet er in einen Kurs "Psychologische -obungen fiir Anfanger", der von zwei ihm bisher unbekannten Psychologen geleitet wurde.Auch Jaspers und Gruhle hatten in ihren psychologischen V orleswlgen, die der Schreiber im Sommer 1920 in Heidelberg besucht hatte, ihre N amen nicht genannt.Der eine war jiinger, hell, schmal, hochgewachsen, straff und von schneidender Scha.rfe des Gedankens; der andere, etwas kleiner und alter, mit langen Haaren und tiefen giitigen-Augen, von einer erstaunlichen Kiihnheit und Fiille der theoretischen und experimentellen Einfalle.Er machte gegen seine eigenen Annahmen immer neue Einwande und notigte uns, seine Zuhorer, iml1ler aufs neue, zu iiberlegen, was man wohl tun konnte, unl das Gewicht dieser Einwa.ndezu priifen und sie zu sichern oder sie zu widerlegen.Er schlug auch selbst immer wieder neue Versuchsvarianten vor und erl1lunterte uns, iiber das Ergebnis Voraussagen zu machen.Der erste wirkte mehr vorwa.rtsdrangend, der zweite mehr beda.chtig,vor den ungeduldig vorwartsstiirmenden Gedanken immer wieder neue Hindemisse aufbauend, fiir den jungen Znhorer fast zuviel.Der Leser wird schon almeri, von wem die Rede ist: Es waren Wolfgang Kohler und Max Wertheimer, die hier gemeinsam im schonsten Sinne des W ortes "Schule hielten".Nach wenigen Wochen dieser Einfiihrung in das wissenschaftliche Denken war der Schreiber entschlossen, sich in ihrel1l Bereich anzusiedeln, und er hat es in den seitdem verflosse nen vierzig Jahren nie bereut.Man spiirte sofort, hier war der Versuch im Gange, eine vonGrund auf neue Psychologie aufzubauen, keine Chemie konstruierter seelischer Elel1lente, keine Lehre von starren
Source: PSYCHOLOGIA
Language: German
Field: Psychology
Open Access status: diamond
OpenAlex ID: W3201545984
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