Year: 2009
Type: article
Abstract: Kritik üben -Übungen in KritikKritik, sagt Kant, beginnt mit der Infragestellung der Forderung nach absolutem Gehorsam.Um Kritik ausüben zu können, so wiederum Nietzsche, braucht es Distanz: gegenüber dem, was ist.Und das schließt auch die eigenen Denkformen und Praxen ein.Im letzten Heft der feministischen Studien hatten wir deshalb nach Inhalten und Tendenzen eines Neuen Feminismus gefragt und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass es zwar eine neue Qualität gibt, es indes unklar ist, worin diese besteht.So sind wohl neue Bewegungsmomente zu erkennen, die auch etwas mit den Möglichkeitsbedingungen neuer Medien zu tun haben, vielleicht mit einem Generationenwechsel in feministischer Theorie und Praxis.Deutlich wurden neue Ansprüche an den Feminismus: dieser soll nun Spaß machen und vor allem die gut ausgebildeten Frauen unterstützen.Abgesehen davon, dass es uns Spaß macht, feministisch zu denken, sehen wir es als wesentliches Element feministischen Denkens an, dass auch feministische Artikulationen der kritischen Uberprüfung ausgesetzt werden.Zusammengestellt hatten wir deshalb Beiträge, die jene neuen Feminismen in den Blick nehmen, dabei den gesellschaftskritischen Aspekt feministischer Theorie und Praxis betonen und eine Kritik an sozialen und politischen Ungleichheiten in globaler Perspektive einfordern.Dieses Verständnis von kritischer feministischer Theorie und Praxis möchten wir in diesem Heft noch einmal verdeutlichen: Feminismus ist zunächst und vor allem eine kritische Haltung gegenüber gesellschaftlichen Gegebenheiten, die als naturalisiert gelten und damit wie selbstverständlich daher kommen.Der Feminismus nimmt daher auch -oder sollte dies tun -Abstand zu den Denkformen und Praxen der eigenen Bewegung, um diese kontinuierlich, aktiv und radikal in Frage stellen zu können.Das vorliegende Heft widmet sich von verschiedenen Sehepunkten (Chladenius) aus solchen kritischen Übungen.In historischer Perspektive werden zwei Ereignisse des 20.Jahrhunderts gewürdigt, die ohne Zweifel Meilensteine der Frauenemanzipation darstellen: Die 1908 erfolgte Zulassung von Mädchen und Frauen zu Abitur und Studium in Preußen und die Einfuhrung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes fur beide Geschlechter in Deutschland im November 1918.Am Anfang steht daher eine Festrede zu Dignitas, Auctoritas, Nobilitas.Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung im Oktober 2008 in Berlin sprach Friederike Hassauer über schlaue Frauen und diskutierte die »Geschlechtsreife« der Wissenschaft.Im kritischen Zwiegespräch mit Cicero lotet sie die »Kultur-Falle der Antike« einer scheinbar geschlechtsneutralen Wissenschaftsfähigkeit aus.Sie stellt fest: schlaue Frauen sind ein Widersinn.Trotz ihrer unbestreitbaren Erfolge in der Wissenschaftsgesellschaft bleibt die homo, académica eine homo, nova mit »ge-Feministische Studien (© Lucius & Lucius, Stuttgart) 1/09
Source: Feministische Studien
DOI: 10.1515/fs-2009-0102
Authors: Sabine Hark, Kirsten Heinsohn, Mechthild Veil
Language: German
Subfield: Gender Studies
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W4237975394
