Year: 2015
Type: article
Abstract: Zusammenfassung: Ausgehend von der bourdieuschen Kapital-und Habitustheorie geht dieser Artikel der Frage nach, wie die kulturellen Ressourcen der Familie und der befragten ehemaligen Schüler sich im Alter zwischen 15 und 45 Jahren auf Statuserwerbsprozess auswirken.Als Grundlage der Analyse dient die LifE Studie, die auf einem Follow-up einer von Fend et al. zwischen 1979 und 1983 durchgeführten Jugendstudie beruht.Im Ergebnis kann mit Hilfe eines Strukturgleichungsmodells gezeigt werden, dass eine Transmission des kulturellen Kapitals von den Eltern auf die Kinder stattfindet und deren kulturelle Ressourcen wiederum einen mittelstarken Einfluss auf den Schulabschluss haben (Reproduktionseffekt).Neben dieser sozialen Vererbung hängt das kulturelle Kapital im Alter von 35 Jahren jedoch auch vom Schulbesuch ab.Die Effekte kulturellen Kapitals auf die Statusentwicklung sind dabei auf die Phase bis zum Ende der Ausbildung beschränkt.Theorie Häufig wird in Artikeln zur sozialen Ungleichheit im Bildungssystem auf Boudons (1974) Unterscheidung zwischen primären und sekundären Herkunftseffekten verwiesen.Während die primären Herkunftseffekte sich auf das unterschiedliche Anregungspotenziale schichtspezifischer Milieus und deren Folgen für die Schulleistung beziehen, konzeptualisieren sekundäre Herkunftseffekte ein nach Klassen variierendes Entscheidungsverhalten bezüglich der elterlichen Schulwahl.Ausgehend von Rational Choice Modellen (Becker 2000; Breen / Goldthorpe 1997) gehen in die klassenspezifische Kosten-Nutzen Abwägung drei Parameter unter der Randbedingung des Statuserhalts ein, nämlich die Bildungskosten einschließlich der Opportunitätskosten, die subjektiv erwarteten Bildungsrenditen und die antizipierte Erfolgswahrscheinlichkeit. Hierbei ist bei bildungsfernen Schichten die Investitionsnotwendigkeit in Bildung zum Statuserhalt deutlich niedriger als etwa bei Eltern mit Abitur oder gar Hochschulabschluss.Ebenso sind die relativen Kosten für Bildung bei einkommensschwachen Familien erheblich höher, die bildungsspezifischen Renditen werden aufgrund fehlender Erfahrung niedriger eingeschätzt und die Erfolgswahrscheinlichkeit wird in der Regel unterschätzt (Risikoaversion bildungsferner Schichten).Zur Erklärung beider Herkunftseffekte existiert eine theoretische "Arbeitsteilung" dergestalt, dass wie oben beschrieben sekundäre Herkunftseffekte vor allem aus der Rational Choice Perspektive in den Blick genommen werden, während zur Analyse primärer Ungleichheiten vor allem die bourdieusche Habitus-und Kapitaltheorie herangezogen wird.Bildungssoziologische Fragestellen durchziehen das gesamte Werk Bourdieus und werden bereits in seinem gemeinsam mit Passeron veröffentlichten frühen Werk "Die Illusion der Chancengleichheit" (1971) thematisiert.In den "Feinen Unterschieden" (1982) taucht diese Fragestellung in Zusammenhang mit seiner verallgemeinerten Habitus-und Lebensstiltheorie auf und zielt auf die Frage der sozialen Statusvererbung unter nicht-ständischen Bedingungen ab.In "Die Illusion der Chancengleichheit" beginnt Bourdieu mit einer Analyse des relativen Hochschulbesuchs unterschiedlicher sozialer Klassen und der schichtspezifisch differenzierten Studienfachwahl.Um die scharfe soziale Selektivität des Hochschulsystems zu erklären, rekurriert Bourdieu einerseits auf die Ebene der sozialstrukturell differenziellen kulturellen Praxis in den Herkunftsfamilien, andererseits macht-und wissenssoziologisch auf die symbolische Definitionsmacht der oberen Statusgruppen hinsichtlich der legitimen Kultur und deren Passung mit den Anforderungen der studentischen-und Fachkultur.
Source: Soziale Welt
Author: Werner Georg
Language: German
Topic: Social and Cultural Dynamics
Subfield: Sociology and Political Science
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
SDG: Quality education
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W4241646183
