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Alltägliche Wissenschaftssprache

Year: 1999
Type: article
Abstract: Ehlich 1. Von Notwendigkeit und Nutzen eines neuen Blickes auf deutsche Wissenschaftskommunikation Sieht man in die deutschsprachige Presse, so liest man manchmal mehrmals in der Woche davon, daß eigentlich die deutsche Wissenschaftssprache ein Relikt sei, ein Fossil, das zunehmend durch die gegenwärtig aktuelle Wissenschaftssprache zu ersetzen sei, nämlich die englische.So hat etwa der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Hubert Markl vor kurzem bei der Eröffnung eines Amerikazentrums in Berlin davon gesprochen, daß wir als Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Zukunft eben zwei Muttersprachen haben müßten.Alle, die sich mit dem Thema Muttersprache befaßt haben, wissen, was für eine paradoxale Formulierung hier ausgesprochen wurde.Andere werden deutlicher, etwa Ulrich Ammon mit seinem kürzlich (1998) erschienenen Werk, dessen Titel die rhetorische Frage Ist Deutsch noch internationale Wissenschaftssprache? trägt.Der Untertitel weist dem skeptischen Leser den Weg: er soll als Wissenschaftler sich des Englischen bedienen.Hier haben wir ein Geschichtsbild, das die deutsche Wissenschaftssprache vor allem als eine verschwindende thematisiert.Nach diesem Modell, das auch wissenschaftsorganisatorisch von großen Institutionen vorangetrieben wird, geht es mehr um die Umstiegsmodalitäten als überhaupt noch um die Argumentationen für oder gegen das Englische.Die Einführung englischer Studiengänge an deutschen Universitäten, die etwa der DAAD massiv finanziell fördert, bis hin etwa zu Universitätsneugründungen, in denen das Studium von vornherein auf englisch stattfinden soll, dies alles reagiert auf eine in der Öffentlichkeit verbreitete Gestimmtheit, die geneigt ist, dem Deutschen an den Universitäten den Garaus zu machen.Zwar ist immer wieder von einer Parallellität bzw.einer Kombination des Englischen mit dem Deutschen die Redeworauf dieses Modell jedoch hinausläuft, ist m.E. nur allzu deutlich.Sobald eine hinreichende Marginalisierung erreicht ist, verliert das Deutsche seine Qualität als Wissenschaftssprache ohnehin und kommt als Konkurrenzkandidat zum Englischen in diesem Kommunikationsbereich gar nicht mehr in Frage.Dieses alles macht deutlich, daß die deutsche Wissenschaftssprache in eine Krise geraten ist, eine Krise, die nicht nur das Deutsche als Wissenschaftssprache betrifft, sondern ganz ähnlich das Französische, das Spanische, das Italienische gegenüber der Präponderanz des Englischen.Sollten sich diese Tendenzen durchsetzen, dann könnte es möglicherweise bald so sein, daß das Thema »deutsche Wissenschaftssprache« in der Tat ein Unthema wird, das eigentlich Aufmerksam-* Dank gilt Dr. Gabriele Graefen (München) und Beate Frenzel (Dortmund) für die Datenvermittlung; Gabriele Graefen zugleich für vielfältige Anregungen im Kontext der gemeinsamen Arbeit zur Thematik.
Language: German
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W4242562147
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Cites: 6
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