Year: 2009
Type: book-chapter
Abstract: 1. Unvermeidliche Fragen der Pausaniasforschung "Was stellt das Werk vor? ist gewöhnlich die erste Frage, die sich angesichts eines Gemäldes, eines Reliefs, eines Kupferstiches oder sonst irgend eines anderen Bildwerkes einstellt.Die Antwort darauf suchen wir in unserer eigenen Vorstellungswelt oder Erinnerungen aus der überlieferten Literatur.Ist es doch namentlich in den vergangenen Jahrhunderten selten, dass ein Künstler nicht aus der heiligen Schrift oder Mythologie geschöpft, nicht die Dichter oder Geschichtsschreiber zu Rate gezogen hat.Die Ikonographie hat sich also mit allen möglichen Quellen der Darstellung zu befassen, religiöses Dogma, Legende oder Mythus, Epos, Chroniken und Annalen; aber auch Phantasieprodukte aller Art, philosophische Abhandlungen, Moralpredigten, umfassende Encyklopädien, wie z.B. das Speculum des Vincenz von Beauvais; ja, sogar Flugschriften -Pamphlete und Satiren -geben oft willkommenen Aufschluss." (Aby Warburg) 1 Die zehn Bücher, die von den auf dem griechischen Festland gelegenen Regionen Attika, Argolis, Lakonien, Messenien, Elis, Achaia, Arkadien, Boiotien und Phokis handeln, sind das einzige erhaltene Werk des Pausanias.Sein Titel ist bei Stephanus von Byzanz als Periegeses tes Hellados überliefert.2 Die Abfassungszeit des Werkes wird zwischen 161 und 180 n.Chr., also in der Regierungszeit Mark Aurels angesetzt.3 Es gibt einen mehr oder minder fest umrissenen Problemhorizont, den man unter der Überschrift unvermeidliche Fragen der Pausaniasforschung fassen kann.Einige der Fragen sind auch gegenwärtig noch Gegenstand jeder Publikation.Allerdings werden andere nicht mehr problematisiert, und zwar die im Folgenden von mir im Anschluss an die ältere Forschung diskutierten Fragen.In den gegenwärtigen Forschungen interessieren besonders nur noch zwei Fragen: Die nach der Identität des Autors und nach der Gattung, die allerdings letztgültig auch nicht zu klären sind, vor allem aufgrund eines nicht vorhandenen, ›fehlenden‹ Proöms.Es wurde angesichts des nicht existierenden Proöms zur Periegese sowohl die Ansicht vertreten, dass Pausanias absichtlich kein Proöm geschrieben habe, als 1 Abgedruckt in: Schmidt/Wuttke, 1989, 65 (= Internationaler Kunsthistorischer Kongress in Innsbruck vom 9. bis 12. September 1902, Mr. C. de Mandach -Paris: Bericht des Vorstandes der Internationalen Gesellschaft für Ikonographische Studien, 24/25). 2 Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Identität des Pausanias wurde von Pasquali, 1913, 222 in Anlehnung an die Angaben bei Stephanus von Byzanz vermutet, dass Pausanias außerdem verschiedene Ktiseis, Gründungsgeschichten syrischer Städte geschrieben habe.
Source: De Gruyter eBooks
Author: Christa Frateantonio
Language: German
Topic: Classical Antiquity Studies
Subfield: Anthropology
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W4248640978
