Year: 2009
Type: book-chapter
Abstract: Zur PhilosoPhie der »Weltcommunication«Wenn es in der Philosophie einen blinden Fleck gibt -und man hat schon das Körperliche, das Sinnliche, die Gefühle oder das Begehren dafür gehaltendann sind das vor allem die Medien, im Sinne der Materialitäten von Kommunikation, der Technologien von sozialer Synchronisierung und kultureller Tradierung.In Form einer erst im Ansatz fassbaren Kulturmorphologie forderte Marshall McLuhan einst die Auseinandersetzung mit dem technischen Medienwandel und dessen Effekten.Dass eine aus dem Reich der Ideen ausgeblendete Technik stets Begleiter des Gedankens war, wird überdeutlich an den telematischen Medien des 19.Jahrhunderts, mit denen Kommunikation eine wahrhaft monströse Dimension angenommen hat: Weltkommunikation.Zwar stellt Peter Sloterdijk seine plurale Sphärologie in expliziten Gegensatz zu McLuhan, dessen These vom Global Village er letztlich »ontologische Simplifikation« vorhält. 1 Dennoch darf McLuhans Ansatz zugute gehalten werden, dass er seiner Zeit -geprägt vom Sputnik-Schock im Jahr 1957, ausgelöst vom ersten globalen technischen Kommunikationssignal des sowjetischen Satelliten -auf Augenhöhe begegnete, während deutsche Meisterdenker noch in spekulativer Befangenheit von einem Seinsgeschick der Technik raunten.Doch bringt das Projekt einer Sphärologie nicht eben auf ähnliche Art zeitdiagnostisches Potenzial mit jenem exzentrischen Impuls zusammen, der schon kennzeichnend war für eine Medienphilosophie, die Philosophieprofessoren konsequent ignoriert haben?Die lassen sich ihre Theorie-Diskurse von Technik und Medien nicht gern verschmutzen.Manchmal jedoch trifft man akademische Außenseiter, die weniger Berührungsängste haben.So stellt sich bei näherer Erkundung heraus, dass es durchaus schon eine zeitgenössische philosophische Reaktion auf die globale Teletechnik und die um 1850 anbrechende Medienmoderne gab -wie Ernst Kapps Philosophie der Technik, auf die die folgenden Überlegungen Bezug nehmen.McLuhan monierte die zweieinhalb Jahrtausende währende Ausklammerung der Technologie aus den Fragen der westlichen Philosophie.Hier aber trat materialiter ein nachmetaphysisches Denken auf, das Mensch und Technik (Natur und Kultur) nicht länger auseinanderdividiert, sondern im Technoimaginären zusammengebracht hat.
Source: Brill | Fink eBooks
Author: Frank Hartmann
Language: German
Subfield: History and Philosophy of Science
Field: Arts and Humanities
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W4249258287
