Year: 1985
Type: article
Abstract: Arbeitslosigkeit in JugoslawienEin ernstes Problem für 770000 junge Menschen Jugoslawien hat derzeit mehr als eine Million Arbeitslose, d.h.daß 15 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung ohne Beschäftigung sind.Mit diesem unrühm lichen Rekord liegt die SFRJ an der Spitze der europäischen Rangliste.Beson ders schwerwiegend ist, daß 77 Prozent der Arbeitslosen jünger sind als dreißig Jahre.1 Angesichts dieser Zahlen ist es nicht erstaunlich, daß die 21.Plenarsitzung des ZK des BdKJ, die Ende Oktober 1985 stattfand, ganz den Problemen der Arbeitslosigkeit und der Sozialpolitik gewidmet war.Wer jedoch von den Be schlüssen des Zentralkomitees zur Beschäftigungspolitik mehr als leere Worte erwartet hatte, sah sich getäuscht.Das vom Führungsgremium der Partei verab schiedete Papier geriet zu einem Dokument der Hilflosigkeit gegenüber einem Problem, dessen Stellenwert von einigen jugoslawischen Politikern eben so hoch veranschlagt wird wie die drückenden Auslandsschulden des Landes.Die ZK-Beschlüsse gleichen einem Katalog von Wunschvorstellungen, die nie manden zum konkreten Handeln verpflichten.Gefordert werden die Aktivie rung und bessere Nutzung der bestehenden Produktionskapazitäten, die Stär kung der materiellen Grundlage der assoziierten Arbeit, die Steigerung der Ar beitsproduktivität, die Erhöhung der Exporte sowie eine aktive Investitions politik.Als weitere Punkte werden eine dynamische Wirtschaftsentwicklung, die Förderung der "kleinen Wirtschaft", die raschere Entwicklung der unter entwickelten Gebiete, eine intensivierte Agrarproduktion sowie die höhere Mobilität der Arbeitslosen genannt.Das Papier des Zentralkomitees sagt jedoch nicht, wie nur eines dieser wünschenswerten Ziele erreicht werden kann.2Bei dieser Sachlage war es nicht erstaunlich, daß mehrere Zk-Mitglieder scharfe Kritik an dem verabschiedeten Dokument zur Beschäftigungspolitik übten.So erklärte Silvija Zugic-Rijavec: Man ist allzu schablonenhaft an das Thema der Arbeitslosigkeit herangegan gen.Das Papier gleicht anderen Papieren.Man hätte auf die ganze ZK-Sitzung verzichten können, wenn man ohnehin nur vorhatte, die Standpunkte aus dem Langfristigen Programm zur wirtschaftlichen Stabilisierung Jugosla wiens zu wiederholen.Bis zu welchem Grade sind dieses Zentralkomitee, die Zentralkomitees in den Republiken und Provinzen, die Kommunisten in der Bundesregierung und den anderen Organen der Föderation, dafür verantwort lich, daß wir mehr als eine Million Arbeitslose im Lande haben, daß diese Zahl kontinuierlich steigt, und daß eine Million Menschen ihr Recht auf Ar-1 NIN, 10.11.
Author: Jens Reuter
Language: German
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W4301325511
