Year: 1984
Type: article
Abstract: Ungarns Nationalitäten -magyarische Minderheiten* Die Bedeutung der Nationalitätenfrage für Staat und Gesellschaft im heutigen Ungarn veranschaulicht die Tatsache, daß es nur einen von insgesamt 20 Bezir ken des Landes gibt, in dem keine Nationalitätensiedlungen Vorkommen.Die Existenz nationaler M inderheiten kann daher kaum übersehen werden.Ande rerseits ist ihr Anteil m it 4-5% an der Gesamtbevölkerung so gering, daß sie vom ungarischen Staatsvolk kaum m ehr als Bedrohung seiner eigenen ethni schen Existenz em pfunden werden können: -dies im Gegensatz zu den histo risch nicht sehr lange zurückliegenden Perioden der nationalen Erweckungsbe wegungen und Staatsbildungen, in denen sich das M agyarentum zu einem erbitterten K am pf um seine M ajorität im historischen Ungarn herausgefordert fühlte und Nationalitätenpolitik nur als Instrument dieses Kam pfes zu begrei fen vermochte.Dieses Zeitalter ging eigentlich erst 1944/45 zu Ende. Die N achkriegszeitIn den Jahren des Neuaufbaus des ungarischen Staatswesens, 1944Staatswesens, -1948, wird die recht unterschiedliche Lage der Nationalitäten und die äußerst unsichere Haltung der Regierung ihnen gegenüber von vier, tendenziell recht heterogenen Faktoren bestimm t: 1. vom m assiven Druck äußerer und innerer Kräfte in Richtung einer Aussied lung der Ungam deutschen sowie eines Bevölkerungsaustauschs von Ungam slowaken gegen Slowakom agyaren.2. Vom entschiedenen, teilweise erfolgreichen W iderstand seitens der betroffe nen Volksgruppen gegen derartige Bestrebungen.3. Von der gegensätzlichen Beurteilung der politischen Rolle und Einschätzung der Nationalitäten in der Öffentlichkeit vor dem Hintergrund der Ereignisse und Frontstellungen in den vorangegangenen Kriegsjahren.4. Von entsprechenden Gegensätzen auch innerhalb der Kom m unistischen Partei, in der der M oskowiter-Flügel um Räkosi die Politik eines "divide et im pera" verfolgte, der einheim ische Flügel um Rajk und Kädär jedoch dazu neigte, die Nationalitäten in die Bündnispolitik der KP einzubeziehen.Die Entwicklung bis 1956 läßt sich dahingehend zusam menfassen, daß die * Unveränderter Text eines Vortrags, gehalten am 15.11.1983 auf der Tagung des Instituts für Geschichte Ost-und Südosteuropas der Universität München und des Forschungskreises für Kultur-und Religionsgeschichte des östlichen Europas über aktuelle Nationalitätenpro bleme dieser Region.
Author: Gerhard Seewann
Language: German
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: bronze
OpenAlex ID: W4301422348
