„Diego ist tot, es lebe Diego!“ – Soziologische Beobachtungen zur ungebrochenen Popularität Maradonas in Argentinien
Year: 2022
Type: article
Abstract: Zusammenfassung Im November 2020 starb Diego Armando Maradona. Das öffentliche Trauergeschehen und die Kommunikation in Reaktion auf seinen Tod verdeutlichen den außerordentlichen Symbolwert Maradonas in Argentinien auf besondere Weise. Betrachtet man jedoch die Vielzahl an Eskapaden, Regelverstößen, Gesetzesbrüchen und sonstigen Grenzüberschreitungen Maradonas, erscheinen seine fast ungebrochene Popularität und regelrecht sakrale Überhöhung zu Lebzeiten und über den Tod hinaus in einem anderen Licht. Neben seinen beiden Dopingfällen, Schlägereien auf dem Fußballplatz oder obszönen Gesten gegen sportliche Kontrahenten ist gerade auch die Liste seiner außersportlichen Verfehlungen lang. Erklärungsbedürftig ist dabei nicht nur, wie Maradona trotz aller Skandale Held bleiben konnte, sondern auch, in welchem Maße die Widersprüche, Ambivalenzen und Unzulänglichkeiten seinen Heldenstatus erst erzeugten. Aus diesem Grund werden im vorliegenden Beitrag die Leitsemantiken, Legitimationsrhetoriken, Neutralisierungstechniken, Rechtfertigungsgeschichten und sonstigen Präfigurationen identifiziert, die im allgemeinen Reden über Maradona wiederkehrend auftauchen. Es wird gezeigt, wie Gemeinschaftsfiktionen, Protestsymbole, Geniekonzept, Opfernarrative und Gottessemantik seinen Heldenstatus kommunikativ immunisieren, kontrafaktisch stabilisieren und zusätzlich befördern.
Source: Berliner Journal für Soziologie
Authors: Felix Kühnle, Marcel Reinold
Language: German
Topic: Sports, Gender, and Society
Subfield: Gender Studies
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
Estimated APC paid: $2,990
Funder: Technische Universität Darmstadt
OpenAlex ID: W4309889774
