Zwischen Systematik und Pragmatik: Bemerkungen zur Dokumentation von Militärdiplomen am Beispiel einiger neuerer Fragmente aus Straubing
Year: 2023
Type: article
Abstract: Als Herbert Nesselhauf im Jahr 1936 die erste systematische Erfassung aller bis dahin bekannten Diplomata militaria im Rahmen des Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL) als Band XVI vorlegte, umfasste diese Zusammenstellung knapp 160 Einzelexemplare, woran sich noch ein ausführlicher Auswertungsteil zu diesem Quellentypus anschloss.Im Jahr 1955 konnte derselbe Gelehrte ein erstes Supplementum mit etwa 30 weiteren Diplomata vorlegen, so dass sich der Bestand zu diesem Zeitpunkt auf ungefähr 190 bekannt gewordene Exemplare belief.Seither hat sich deren Gesamtzahl sprunghaft erhöht, so dass bis zum Ende des Jahres 2021 etwa 1250 Exemplare publiziert wurden. 1 Entsprechende Funde sind auch weiterhin mit Sicherheit in größerer Zahl zu erwarten.Für etappenweise erfolgte Aktualisierungen des Gesamtbestandes und Ergänzungen seit dem Erscheinen von CIL XVI sei hier nur auf die verdienstvollen Zusammenstellungen von Margaret M. Roxan und Paul A. Holder "Roman Military Diplomas" (RMD I-V) aus den Jahren 1978-2006 verwiesen.2 Durch zahlreiche weitere Publikationen neben den "Editiones principes" in verstreuten Publikationen und in anderen Sammelpublikationen regionalen wie überregionalen Charakters, die in der Regel auch mit ausführlichen Kommentaren versehen sind, haben sich diese Quellen geradezu zu einem eigenständigen Forschungsfeld entwickelt.3 Dabei erzwingen insbesondere die in vielen Fällen stark fragmentarischen Objekte zu umfangreichen Überlegungen hinsichtlich Lesung, Ergänzungen und Wiederherstellung der ursprünglichen Texte im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, was verständlicherweise angesichts mancher Lösungsvor-* Der Beitrag geht zurück auf persönliche Gespräche und Diskussionen zwischen Manfred Hainzmann (M.H.) und Rainer Wiegels (R. W.) über die formale Behandlung von Militärdiplomen im Zuge von Publikation und Dokumentation sowie die Möglichkeiten ihrer Nutzung im Rahmen von Datenbanken.Von M. H. war bereits im Vorfeld eine umfassende Datenbank mit Suchfunktionen speziell für diese Quellengattung entwickelt worden, die in der Folgezeit weiter verfeinert und hier von ihm im zweiten Teil des Beitrags exemplarisch vorgestellt wird.R. W. hat hierfür u. a. fünf Diplomfragmente aus Straubing bereitgestellt, die kürzlich im Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 122, 2020 (2022) 67-114 (= Wiegels 2020 [2022]), veröffentlicht wurden.Sie werden hier in einem ersten Teil noch einmal in leicht veränderter Form publiziert, wobei zugleich einige Druckfehler, die sich bei der Erstveröffentlichung eingeschlichen hatten, korrigiert werden.Dabei konnte auch u. a. auf das von M. H. entwickelte Suchprogramm zurückgegriffen werden.-Für die einleitenden Bemerkungen zeichnet R. W. verantwortlich.1 So nach einer Zusammenstellung von M. H., s. dazu weiter unten. 2 Eine Fortsetzung dieser Reihe steht derzeit noch aus, soll aber in Vorbereitung sein.Sie wäre angesichts der Zersplitterung der Forschungsliteratur höchst willkommen, zumal auch die Kommentierungen in den genannten aktualisierten Zusammenstellungen wichtig und für die historische Interpretation vielfach folgenreich sind.3 Zur historischen Bedeutung dieser Quellengattung und zugleich zu grundsätzlichen Fragen ihrer Interpretation sei an dieser Stelle nur auf W. Eck/H.Wolff (Hg.), Heer und Integrationspolitik. Die römischen Militärdiplome als historische Quelle.Passauer Hist.Forsch. 2 (Köln/Wien 1986) und M. A. Speidel/H.Lieb (Hg.), Militärdiplome.Die Forschungsbeiträge der Berner Gespräche 2004.Mavors 15 (Wiesbaden 2007) verwiesen, zwei wissenschaftliche Colloquien, in denen "Militärdiplome" das leitende Thema darstellen.
DOI: 10.21248/fera.48.325
Authors: Manfred Hainzmann, Rainer Wiegels
Language: German
Topic: Classical Antiquity Studies
Subfield: Anthropology
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W4313499932
