Year: 2010
Type: article
Abstract: Im Vorworte jenes 1563 in Zürich, bei Christoph Froschauer, gedruckten, "Historia de origine et progressu controversiae sacramentariae de Coena Domini, ab anno nativitatis Christi MDXXIIII usque ad annum MDLXIII deducta" betitelten Werkes, das bisher für die älteste historische Darstellung des Abendmahlstreites galt, betonte der Verfasser Ludwig Lavater, Bullingers Schwiegersohn, daß vor ihm schon Johann Stumpf, der bekannte Chronist, die Geschichte dieses Streites in deutscher Sprache ziemlich weit beschrieben, aber aus Altersgründen und mit Kücksicht auf die Ereignisse der letzten Jahre, nicht zu Ende geführt hätte 1 ).Darum wollte er nun selbst die wichtigsten Begebenheiten jenes Streites wahrheitsgetreu, aber kurz erzählen, hoffend, "damit etwan einen mann der ein gut urtel und gross ansähen hab, darzu gelert und beredt sye etc." zu erwecken, "der dise histori für sich nemmen und alle ding der lenge nach beschrybe" 2 ).Diese Hoffnung ging erst 1598 bzw.1602 in Erfüllung.Budolf Wirt (Hospinian) hat in den vorgezeichneten "Bahnen Lavaters und die Zürcher Theologie Bullingerschen Gepräges vertretend", die Geschichte des Streites auf breiter Grundlage in einem großen, zweibändigen Werke: "Historia sacramentaria", dargestellt und dadurch alle Vorarbeiten der Vergessenheit überliefert.Insbesondere Stumpfs ungedruckt gebliebenem Werke forschte niemand mehr nach, wiewohl Hospinians Arbeit speziell in der Art der Darstellung einen von Lavater abweichenden Einflus eines "Unbekannten" verriet und es sich verlohnt hätte, diesem nachzugehen.In der Präsentierung der sich bekämpfenden Parteien und in der Gegenüberstellungsweise ihrer Lehrmeinungen folgte nämlich Hospinian nicht Lavater, sondern um der Erzählung erhöhte Lebendigkeit zu verleihen, jener bisher unbekannt gebliebenen, urwüchsigen Darstellung des Johann Stumpf, die uns glücklicherweise unter den Schriften Heinrich Bullingers erhalten blieb.Die Handschrift, Autograph des Johannes Stumpf, bildet ein überaus wertvolles Kulturdokument des Zwinglikreises, und eine einzigartige Quelle für dessen Einstellung zur Streitfrage.Doch nicht nur ihr Quellen wert, auch ihre sonstigen Qualitäten sind hoch.In keiner Arbeit war Stumpf unabhängiger und selbständiger als in dieser Schrift, in welcher er, frei von der Leber weg, alles zu Papier brachte, was er zu berichten wußte, was er über den Streit dachte, was er, der gebildete Humanist, an Luthers Art unwürdig fand und was ihn daran empörte.Diese Subjektivität, wie die ganze geistige Haltung des Werkes, die von der des Bullingerkreises nicht unwesentlich abwich, hatte wohl seine Drucklegung verhindert.Bullinger scheint die Hand darauf gelegt zu haben, als Stumpf 1562 nach Zürich übersiedelt ist und hier diese ursprünglich nur bis 1538 geführte Arbeit fortzusetzen begonnen hat.Dagegen durfte er Lavaters daraufhin in Angriff genommene gelehrte Dissertation, die die "altersschwache" Darstellung weitgehend ausschrieb und deren ersten "Historica adumbratio de origine et progressu controversiae sacramentariae" betitelten Entwurf der Autor 1562 mit der Bitte in das Stumpfsche Haus sandte: si quid addendum, muttandum, ut detrahendum videbitur, liberrime nie admonete 3 ), in die deutsche Sprache übersetzen."Et D. Ludovici Lavateri Affinis sui historiam sacramentariam in Germanicam transtulit linguam Anno 1565," heißt es in der Selbstbiographie Stumpfs.-Dazu war er nicht zu alt.-Diese Übersetzung, bisher ebenfalls vernachlässigt, verdiente besondere Beachtung.Nicht nur ihrer kernigen Sprache wegen, sondern vor allem, weil Stumpf die Erzählung mit wertvollen Ergänzungen und mit einer Fortsetzung bereicherte 4 ). Diese breit angelegte Abhandlung befaßteAnno dm.1519 entstundt Martinus Luther, der heyigen geschrift doctor, Augustiner ordens, ein gelerter, weltwyser und hoch erfarner mann, den vil aohtetend, das entehristisch pabstumb zu stürmen von Gott erweit syn.Der ist erstlich durch des pabsts aplass kremer und legaten (: die nyt lyden wolten, das er wider des pabsts aplass prediget«, oder nur daran zwyflete :) benötiget, das
Source: Zwingliana
DOI: 10.69871/abn69v50
Author: Leo Weisz
Language: German
Subfield: History
Field: Arts and Humanities
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W431640510
