Year: 2023
Type: article
Abstract: Über die Unterhaltungsfilme der Nazi-Zeit ist viel geschrieben worden.Es sind Formate des populären Unterhaltungskinos, vom Melodram über den Abenteuerfilm bis zu Komödien und Liebesgeschichten -und noch immer wundern sich Autoren wie Oldrik Scholz, dass explizite Propaganda in den Filmen so selten manifest wird.Um so schwieriger wird es, den indirekten oder gar unsichtbaren propagandistischen Gehalt dieser Filme festzustellen, wenn es denn schon zur Programmatik der Reichsfilmkammer bzw.des Propagandaministeriums gehörte, mittels des Films Meinungs-und Haltungsbeeinflussung auszuüben.Die Frage, ob das Kino ganz unabhängig von den Rahmenbedingungen der Nazi-Zeit praktisch immer ein ›verborgenes Curriculum‹ befolgt, ob die Filme bis heute ein nur vom Zuschauer erschließbares Ensemble von Werten und Tugenden umschreiben, immer eine »Moral von der Geschichte« haben: Diese Frage wird von Scholz nicht einmal gestellt.Ob es nun eine Hinwendung zum Irrealen war, wie Scholz gleich eingangs seiner Überlegungen behauptet, die das Nazi-eske dieser Filme ausmacht, darf schon eingangs der Lektüre in Zweifel gezogen werden.Denn dass »die Menschen [in dieser Zeit] kulturelle Güter nicht mehr als Spiegel des gesellschaftlichen Lebens oder des menschlichen Bewusstseins hervorbrachten« (S. 5), ist eine nicht nur mutige, sondern wohl schlicht falsche Behauptung.Scholz ist aber in bester Tradition: Dem Publikum den einzigen Wunsch nach Flucht und einen Rückzug ins Imaginär-
Author: Hans Jürgen Wulff
Language: German
Topic: Cinema History and Criticism
Subfield: Visual Arts and Performing Arts
Field: Arts and Humanities
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W4383559515
