Year: 2023
Type: article
Abstract: Strukturfunktionale Analyse Wenn die Geistes-und Humanwissenschaften in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts ein ganzes Füllhorn von Überlegungen zum Zusammenhang der symbolischen Formen mit sozialer, kommunikativer und ästhetischer Praxis angestellt haben, dann wurde in allen beteiligten Fachdisziplinen die Perspektive einer »funktionalen Beschreibung« zentral.Es waren ganz verschiedene Strömungen insbesondere der semiotischen Theorie, in denen die Frage nach den Leistungen der verschiedenen semiotischen Mittel, die sie in den Prozessen der Kommunikation und in der Konstitution von Texten erbringen, vorrangig und zum Gegenstand eingehender Reflexion wurde.Nicht nur in der Ethnologie (wie in den Schriften Bronislaw Malinowskis), sondern auch in der Soziologie (wie etwa bei Talcott Parsons) und der Sprachtheorie resp.Semiotik (vor allem Roman Jakobsons Theorie der Sprachfunktionen ist bis heute lebendig geblieben) gab es eine ganze Reihe von Entwürfen, die sich vom Vorrang der Morphologie semiotischer Gebilde abwendeten und statt dessen nach ihrem Funktionieren und nach den Bedeutungen fragten, die sie in der Kommunikation und in der Hervorbringung und Stabilisierung sozialer Aggregate und Beziehungen erbringen.Von Beginn an war dabei deutlich, dass es nötig ist, zur Modellierung dieser Leistungen sich von der Vorstellung eines eindimensionalen Funktionszusammenhangs zu verabschieden, sondern Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung, 9, 2013 // 224 immer von einem Zugleich verschiedener Funktionen auszugehen, die einander überlagern und mehr oder weniger deutlich in den Vordergrund treten können.So treten in der soziologischen Beschreibung zum Subsystem des Individuums und seiner Glaubenssysteme, Motivationen, Vorlieben, Identitätsentwürfe etc. -jenes der Einheiten des sozialen Systems (auf mikro-wie auf makrosoziologischer Ebene), -jenes der Interaktion und der sozialen Nahbeziehungen sowie -das bei Parsons sogenannte kulturelle System, in dem die kulturellen Werte und Normen versammelt sind, die von allen Mitgliedern einer Gesellschaft oder einer Subkultur geteilt werden bzw.geteilt werden sollten.Alle Kommunikation ist nach dieser Auffassung eingebunden in diese genannten Funktionskreise.Nun ist Kommunikation angewiesen auf Symbolisierungen, nutzt symbolische Systeme und bringt Symbolwelten hervor.Zwar tendieren Symboliken zur Verfestigung (als Zeichensysteme, Liturgien, Rituale etc.) und lösen sich von den Akten des Symbolgebrauchs, doch sind sie letztlich immer zurückverwiesen auf ihre Aktualisierung in den Akten der Kommunikation.Der Aktcharakter bleibt auch den Texten (oder: »Werken«) erhalten, die eine Sonderform der kommunikativen Mittel darstellen.Texte sind in sich hochorganisierte symbolische Formen, deren Elemente einen gegenüber der umgebenden Alltagswelt relativ autonomen Verweisungszusammenhang bilden.Sie können sogar modellhaft eigene Sozial-und Kommunikationswelten ausbilden, die die Funktionskreise der sozialen Kommunikation in ihren »Diegesen« wiederholen.Ungeachtet der Tatsache,
Author: Hans Jürgen Wulff
Language: German
Subfield: Music
Field: Arts and Humanities
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W4383665356
