Die Angst des Schiris vor dem VAR
Year: 2024
Type: article
Abstract: Zusammenfassung Der Artikel untersucht aus phänomenologisch informierter soziologischer Perspektive den Einsatz des VAR im deutschen Fußball. Hermann Schmitz neuphänomenologische Unterscheidung von ‚Konstellation‘ und ‚Situation‘ dient hierzu als sensibilisierende Leitheuristik. Vor dem Hintergrund der vielstimmigen Kritik an dem uneingelösten Gerechtigkeitsversprechen analysieren wir zunächst die Aufgaben der Feldschiedsrichterin unter dem Blickwinkel eines sozialtheoretisch modellierten Idealtypus des ‚hermeneutischen Dirigenten‘. Das Fußballspiel wird hierdurch als ein vielschichtiges situatives Geschehen betrachtet, bei dem die Feldschiedsrichterin eine Vielzahl an Aufgaben erfüllen, aber auch mit blinden Flecken ihrer Urteilskraft umgehen muss. Demgegenüber konstruieren wir den VAR als einen ‚parametrischen Accountant‘, der den Fußball – phänomenologisch betrachtet – von einer Situation in eine Konstellation verwandelt und damit zu einer Überbetonung einseitiger Regelbefolgung führt und den Entscheidungsprozess darüber in eine Black Box verwandelt. Damit trägt er zur Entstehung ,strukturierter Verantwortungslosigkeit‘ auf dem Spielfeld bei.
Source: Sport und Gesellschaft
Authors: Charlotte Nell, Diana Lindner, Hartmut Rosa
Institution: Friedrich Schiller University Jena
Language: German
Subfield: Sociology and Political Science
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
Estimated APC paid: $2,489
OpenAlex ID: W4399973084
