Körperliche Aktivität als therapeutische Intervention bei Depression im Kindes- und Jugendalter
Year: 2024
Type: dissertation
Study designs: Systematic Review, Meta-Analysis
Abstract: Ein beachtlicher Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Depression kann nicht ausreichend von der leitliniengerechten Therapie profitieren. In meiner kumulativen Dissertation untersuche ich die Wirksamkeit von körperlicher Aktivität als alternative oder ergänzende Behandlungsmethode bei depressiven Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren. Zudem habe ich die Merkmale der Maßnahmen beleuchtet, die am wirksamsten zur Verringerung der Symptome beitrugen, sowie die Auswirkungen methodischer Mängel in den Studien. Dabei habe ich bereits publizierte Studien in einem systematischen Review und Metaanalyse untersucht. Methodisch wurden dazu die Datenbanken Medline, PsycINFO, SPORTDiscus, ProQuest und CENTRAL nach geeigneten Datensätzen durchsucht. Die Schätzungen der Effektgröße wurden auf der Grundlage eines Modells mit zufallsbedingten Effekten gepoolt. Eine mögliche Moderation durch Merkmale der körperlichen Aktivität wie Intensität, Art, Kontext und Zeitrahmen sowie methodischer Merkmale wie Art der Kontrollgruppe und Diagnoseinstrument zur Identifizierung der Depression bei Studienbeginn wurde anhand von Subgruppenanalysen und Meta-Regressionen untersucht. Die Sicherheit der Evidenz wurde unter Zuhilfenahme der GRADE-Methode bewertet. Diese Methode dient zur Einstufung von u.a. systematischen Übersichtsarbeiten nach Qualität der Evidenz und Stärke der Empfehlungen im Gesundheitswesen und beurteilt nach fünf Aspekten: Verzerrungsrisiko, Inkonsistenz, Indirektheit, Ungenauigkeit sowie nach möglicher Verzerrung durch einseitige Publikation. Die antidepressive Wirkung von körperlicher Aktivität zum Messzeitpunkt nach der Intervention war dabei primärer Endpunkt. Als sekundäre Endpunkte wurden die Nachhaltigkeit der Effekte nach Beendigung der Intervention mit körperlicher Aktivität und die Akzeptanz eben dieser bewertet. Insgesamt wurden 10 Studien in die qualitative und 9 Studien mit insgesamt 431 Patienten in die quantitative Analyse inkludiert. Als Ergebnis wurde ein moderater, signifikanter, antidepressiver Effekt von körperlicher Aktivität nachgewiesen. Die Heterogenität fiel dabei gering aus. Da die eingeschlossenen Studien gravierende methodische Einschränkungen aufwiesen, wurde die Beweissicherheit auf niedrig herabgestuft. Moderatoranalysen ergaben, dass die Intensität der körperlichen Aktivität den antidepressiven Effekt signifikant beeinflusste. Darüber hinaus wurden deutlich geringere Effektgrößen in Studien gefunden, die nicht-körperliche Aktivitäten als Kontrollbehandlungen einsetzten wie beispielsweise Brettspiele, verglichen mit Studien ohne jegliche Kontrollgruppenbehandlungen. Lediglich drei Studien untersuchten die Nachhaltigkeit der Effekte nach der Beendigung der Therapie mit körperlicher Aktivität. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die antidepressive Wirkung nach dem Ende der körperlichen Betätigung weiter verstärkt. Es gab dabei keinen signifikanten Unterschied im Abbruchrisiko zwischen den Gruppen mit körperlicher Betätigung und den Kontrollgruppen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass körperliche Aktivität bei der Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen wirksam ist. Um wirksam zu sein, sollte die körperliche Betätigung mindestens mäßig intensiv sein. Außerdem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass körperliche Aktivität unter den Studienteilnehmer*innen gut angenommen wurde. Allerdings könnte die geringe methodische Qualität der eingeschlossenen Studien zu einer Überschätzung der Wirksamkeit geführt haben. Daher sind weitere Studien mit höherer methodischer Qualität erforderlich, um die Empfehlung für Bewegungstherapien bei Kindern und Jugendlichen mit Depressionen zu bestätigen.
Author: Medele, Marie
Institution: University of Cologne
Language: German
Topic: Physical Activity and Health
Field: Medicine
Domain: Health Sciences
Open Access status: green
OpenAlex ID: W7010947576
