MULVA VIII
Year: 2025
Type: book
Abstract: Die zwei Teilbände enthalten die Ergebnisse der Forschungen zur Wirtschaftsgrundlage des antiken municipium Flavium Muniguense/Munigua, dem modernen Mulva, die seit dem Jahre 2000 unternommen wurden. Dabei erweist sich die Frage nach den Wirtschaftsgrundlagen zuvörderst als eine Frage nach der Ausbeutung und Verarbeitung seiner Bodenschätze, namentlich Kupfer (bis in die Mitte des 1. Jhs. n. Chr.), das dann von Eisen abgelöst wird. So gab die Häufigkeit von Schlackenfunden, die schon den ersten Gelehrten im 18. Jh. auffielen, Anlass zu der Vermutung, die Erzverhüttung sei die Grundlage der wirtschaftlichen Existenz nicht nur des flavischen Munizipiums, sondern bereits auch des vorrömischen gewesen. Erstes Ziel des hier vorgestellten Projekts war es daher, diese These endlich zu überprüfen und in ihrem Kontext darzustellen. Um die Rolle der Metallurgie innerhalb der städtischen Wirtschaft angemessen werten zu können, galt die Fragestellung daher in erster Linie der Art des verarbeiteten Erzes, seiner Herkunft sowie dem Produktionsprozess in seiner wirtschaftlichen Bedeutung für die Stadt. Auch wenn diese Fragestellung im Mittelpunkt dieses Werkes steht, so wurde sie im Zuge der Untersuchung in einem weiten Ausgriff auf die gesamte Wirtschaft der antiken Stadt ausgedehnt: Officinae ferrariae und aerariae, Metalla, Lapicidinae und Fundi. Das Herzstück bildet der Katalog der Fundplätze. So ergab sich die Gliederung des Bandes, der daher auch die Steinbrüche mit der Wasserwirtschaft, die Bodennutzung mit der Landwirtschaft und die Montanwirtschaft mit der Infrastruktur ebenso einschließt wie die archäologisch belegte Geschäftstätigkeit zur Arbeit in der Stadt mit entsprechenden Untersuchungen zu den Amphoren, als Anzeiger für Handel, sowie zu dem Münzaufkommen. Vielfältige naturwissenschaftliche Untersuchungen und Analysen ergänzen das Bild. Zwei Kapitel mit übergreifendem Ansatz sind diesem zentralen Block voran-, wie das über die geologischen Voraussetzungen, bzw. hintangestellt, wie das zur Besiedlungsgeschichte der Region des unteren Guadalquivir-Tales. Abschließend wird im letzten Kapitel ein Ergebnis als zusammenfassende und facettenreiche Darlegung versucht. Wie sich zeigt, handelt es sich um ein Wirtschaftsmodell, das die Stadt in den Mittelpunkt stellt. Dort liegen die Anlagen zur Weiterverarbeitung, während die Lagerstätten sich im Umland befinden. Die Werkkette ist differenziert, verschiedene Akteure sind beteiligt, die offensichtlich auf eigene Rechnung arbeiten, es ergeben sich gegenseitige Abhängigkeiten. Am Ende wird das Produkt, der Metallbarren, über Netzwerke vertrieben und möglicherweise sogar über das Mittelmeer verkauft, die über familiäre Beziehungen funktionieren. Es zeichnet sich ein Wirtschaftsmodell ab, das für die vielen kleinen Städte Hispaniens typisch zu sein scheint und dem bekannten Modell der Villenwirtschaft komplementär gegenübergestellt werden kann. Während diese mit der Romanisierung eingeführt wurde, könnten sich in dem muniguensischen Modell ältere, vorrömische Traditionen spiegeln. Die ausbalancierte Funktionsweise unter Beteiligung vieler Akteure spricht jedenfalls für eine lange Zeit der Ausbildung und Entwicklung.
Source: DAI
DOI: 10.34780/dou6-d8e0
Authors: Schattner, Thomas G., Ovejero Zappino (†), Gobain, Pérez Macías, Juan Aurelio, Basas Faure, Carlos, Hauptmann, Andreas, Bode, Michael, Kraus, Steffen, Bartelheim, Martin, Pernicka, Ernst, Ullrich, Burkart, Neumann, Jörg, Kirchner, André, Herrmann, Nico, Matras, Paul, Müller, Iris, Meister, Julia, Neef, Reinder, Schäffler, Doris, Brose, Kerstin, Scholz, Roman, Arteaga Matute, Oswaldo, Ramos Muñoz, José, Roos (†), Anna-Maria, Schuhmacher, Thomas, Cortés Gómez, Rodrigo, Fabião, Carlos, de Almeida, Rui, Dias, María Isabel, Prudêncio, María Isabel, Chaves Tristán, Francisca, López Ruíz, Urbano, Mecking, Oliver
Language: German
Subfield: Archeology
Field: Social Sciences
Domain: Social Sciences
Open Access status: green
OpenAlex ID: W7108322795
