Year: 2026
Type: article
Abstract: anders als gegenüber Ovaherero verschiedentlich durchaus zu Verhandlungen bereit war.Dabei könnte eine Rolle gespielt haben, dass anderslautende mündliche Befehle des Kaisers -über die sich nur spekulieren lässt -hier kaum eine Rolle spielten, weil der Widerstandskrieg der Nama mit voller Wucht erst einsetzte, als Trotha bereits über ein Vierteljahr im Land war.Hinzu kamen eine veränderte Kriegslage und vor allem die Dauer des Krieges; taktische Erwägungen, die sonst oft für die Verhandlungsinitiativen der deutschen Militärs angeführt werden, berücksichtigt Häussler weniger.Die Betrachtung, die in Anlehnung an Erving Goff mans Unterscheidung von "Bühne" und "Hinterbühne" die Tätigkeit Trothas in Namibia anhand seines Tagebuches in den Blick nimmt, lässt sich als jene Einleitung lesen, die laut Bewilligung der DFG in der von Häussler und Eckl erarbeiteten Edition nicht zugelassen wurde.Dementsprechend gibt Häussler hier wenigstens große Teile eines editorischen Berichts, zu dem auch ein Überblick über die Typoskripte gehört, die neben der Handschrift vorliegen.Sie gehen vermutlich auf Pläne von Trothas Witwe zurück, das Tagebuch als Argument gegen die nach 1918 vorgeblich erhobene "Kolonialschuldlüge" zu nutzen.Zugleich arbeitet Häussler die im Tagebuch deutlich vorzufi ndenden Momente heraus, an denen sich Motive für jene allmähliche Steigerung der Gewaltsamkeit im Vorgehen der Schutztruppe unter Trothas Kommando festmachen lassen, die schließlich im Völkermord gipfelten.Diese inkrementelle Steigerung der Gewalt ist seit vielen Jahren die zentrale These Häusslers zum Verlauf des Krieges von der Ankunft Trothas im Land im Juni 1904 bis zur off enen Eliminierungsstrategie vier Monate später.Der "Hinterbühne" ordnet Häussler die teils recht persönlichen Aspekte des Tagebuchs zu, die sich als Form der Verarbeitung der schweren Frustration interpretieren lassen, die durch den Fehlschlag der aufwendig vorbereiteten Vernichtungsschlacht am 11.August 1904 und der weiteren Bemühungen bedingt waren, die Ovaherero auf ihrer höchst verlustreichen Flucht nach Osten noch einmal im militärischen Sinn zu "stellen".Ähnliches gilt für Trothas insgesamt spärlicher werdenden Einträge während des Kampfes gegen die Nama im Süden bis zu seiner Einschiff ung in Lüderitz im November 1905.Es sollte deutlich geworden sein, dass Häusslers Texte auch da, wo sie zum Widerspruch reizen, dies jedenfalls auf durchaus produktive Weise tun.Wer sie allerdings im Zusammenhang liest, wird in diesem Band nicht wenige Wiederholungen feststellen und auch off enkundige Querverweise vermissen.Die ursprünglichen Druckfassungen werden zwar bibliographisch nachgewiesen, wurden aber off enkundig für diese Publikation überhaupt nicht mehr redigiert.
Author: Reinhart Kößler
Language: German
Subfield: Literature and Literary Theory
Field: Arts and Humanities
Domain: Social Sciences
Open Access status: diamond
OpenAlex ID: W7130436192
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