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Entdeckung paläolithischer Figuralkunst in Südwestafrika

Year: 2018
Type: article
Abstract: Wolfgang E. Wendt begann vor nunmehr zehn Jahren im südwestlichen Afrika (Namibia) Feldforschungen mit dem Ziel, Anhalte für eine gesicherte chronologische Abfolge der lithischen Kulturstufen zu gewinnen und diese nach Möglichkeit mit den reichlich im Lande vorhandenen Felsmalereien und Gravierungen zu verknüpfen. Dabei wurde 1969-72 eine Höhle 100 km nordöstlich der am Meer gelegenen Stadt Oranjemund (bei der Farm Uitsig, Distr. Lüderitz) untersucht (vom Ausgräber „Apollo 11-Grotte" genannt, in 1050 m Höhe), deren Ergebnisse nach dem von W. E. Wendt darüber im vergangenen Jahr publizierten Bericht für unsere Kenntnis der paläolithischen Kunst von großer, weit über den regionalspezifischen Rahmen gehender Bedeutung sind. Bis dahin waren aus Afrika an prähistorischen Malereien und Gravierungen zwar aus den verschiedensten Landesteilen, von der nördlichen Sahara bis in den Süden des Kontinents, Felsbilder in schier unerschöpflichem Reichtum bekannt, für die aber alle verfügbaren Anhalte ein nachpaläolithisches Alter bezeugen; wenngleich die Zeitstellung im einzelnen großenteils noch immer nicht hinreichend gesichert ist, besteht in der Forschung aufgrund der vorliegenden Befunde Einmütigkeit darüber, dass sich nirgends eine paläolithische Datierung begründen oder auch nur mit einiger Wahrscheinlichkeit in Betracht ziehen lässt. Auch Werke der beweglichen Kleinkunst (Ritzungen oder Malereien auf Stein- oder Knochenplatten, Plastiken oder Reliefs auf Stein, Knochen, Gagat oder dgl.) waren aus pleistozänen Rastplatzfunden Afrikas unbekannt. Altsteinzeitliche Figuralkunst in ihren mannigfachen Erscheinungsformen - ortsfest und beweglich; Malerei, Zeichnung, Relief, Rundplastik; Tier- und Menschendarstellungen; veristisch bis schematisch - war auf den eurasischen Raum beschränkt, von der französischen und spanischen Atlantikküste über Mitteleuropa und Unteritalien bis zur Lena in Sibirien. Innerhalb dieses weiten Raumes verteilen sich die Kunstzeugnisse chronologisch auf alle, insgesamt etwa zwanzig Jahrtausende umfassenden Abschnitte des Jungpaläolithikums, ohne dass aufgrund der derzeitigen Fundkenntnis, der erkennbaren typologischen und stilistischen Entwicklung, der unterscheidbaren regionalspezifischen Traditionen und der begründbaren Synchronisierung der jeweils ältesten, Kunstwerke aufweisenden Jungpaläolithstufen der einzelnen eurasiatischen Gebiete miteinander die Möglichkeit bestünde, den Ursprung dieses Kulturphänomens zu lokalisieren. Als gesichert gilt nur, dass die Figuralkunst zusammen mit typologischen und technologischen Neuerungen der Steingerätherstellung sowie neuen Zügen der Schmuckformen und des Sepulkralwesens, getragen vom voll ausgebildeten Homo sapiens zu Beginn des Jungpaläolithikums erscheint, gegenüber dem vorangehenden Mittelpaläolithikum eine neue Entwicklungsstufe, d. h. einen erwickelteren Rahmen der konkreten Geschichtlichkeit zum Ausdruck bringend. Dass wir die Entstehung dieser neuen Geschichtsstruktur und der ihr zugrunde liegenden Bewusstseinsausprägung im Einzelnen nicht zu ergründen vermögen, liegt an der allgemeinen Weitmaschigkeit der uns zur Verfügung stehenden archäologischen Quellen und der Methoden zu ihrer Interpretation und widerspricht nicht der Überzeugung, dass wir es hier mit einem prinzipiell historischen Vorgang zu tun haben, gleicherweise hinsichtlich der Primärentstehung dieser Neuerungen wie auch ihrer Ausbreitung.
Source: DAI
Language: German
Subfield: Archeology
Open Access status: green
OpenAlex ID: W7140569938
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