Thomas Morus’ Utopia und der klassische Utopiebegriff
Year: 2026
Type: article
Abstract: Zusammenfassung Richard Saage ist als Politikwissenschaftler ein anerkannter Utopieforscher. Er stellt in seinem Beitrag einen Klassiker der modernen Utopien vor: Thomas Morus. Morus integriert eine sozio-politische und eine literarisch-narrative Konstruktionslinie, die analytisch zu trennen sind. Das Erkenntnisinteresse des Autors gilt der sozio-politischen Dimension. Seine Analysen fokussieren sich auf die gesellschaftlichen Inhalte des utopischen Phänomens und auf die ihnen zugrundeliegenden Formprinzipien in ihren epochenspezifischen Veränderungen. Der geschichtsphilosophische Fortschrittsglaube, von dem die Zeitutopie einst lebte, ist aufgrund der totalitären Erfahrungen des 20. Jahrhunderts historisch diskreditiert. Fällt aber das absolut gesetzte Ziel der gesellschaftlichen Entwicklung als Endpunkt der Geschichte weg, kann von Utopien nur im Plural die Rede sein. Um die Akzeptanz utopischer Ziele muss dann diskutierend in einer demokratischen Öffentlichkeit gerungen werden. Der Geltungsanspruch der Utopie kann heute nur noch wie bei Morus der eines regulativen Prinzips sein, dem man sich lediglich annähern, aber den man nicht verwirklichen kann und soll. Nur wenn die kritische Differenz zwischen dem utopischen Orientierungswissen und der sozio-politischen Realität bestehen bleibt, vermag die Utopie ihre kritische Funktion auszuüben. Durch den Filter der klassischen Dystopien hindurchgegangen, müssen utopische Texte heute – dem Vorbild der Utopia des Thomas Morus folgend – hochgradig selbstreflexiv sein. D. h., sie müssen ihre Selbstkritik gleich mitliefern und sich stets bewusst sein, dass das positiv Intendierte ins negativ gewendete Gegenteil umschlagen kann.
Author: Richard Saage
Language: English
Subfield: Philosophy
Field: Arts and Humanities
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
Estimated APC paid: $2,712
OpenAlex ID: W7166072619
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