Readiness to change psychological burden, and motivation for psychotherapy in medical rehabilitation patients
Year: 2013
Type: dissertation
Study design: Observational Study
Abstract: Patienten der medizinischen Rehabilitation leiden häufig unter einer erhöhten psychischen Belastung, die ein Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen darstellt. Die in der Vergangenheit beklagte psychotherapeutische Unterversorgung von psychisch beeinträchtigten Rehabilitationspatienten mit hauptsächlich körperlichen Erkrankungen wurde dabei u. a. mit der schwierigen Motivationslage der Patienten begründet. Die vorliegende Arbeit beschäftigte sich mit der Frage, inwieweit Rehabilitationspatienten bereit sind über ihre körperlichen Einschränkungen hinaus ihre psychische Belastung zu verändern sowie psychologische bzw. psychotherapeutische Gespräche in Anspruch zu nehmen. Zur Untersuchung dieser Frage wurde auf die Konzepte der Veränderungsbereitschaft und der Psychotherapiemotivation zurückgegriffen. Auf der Basis des Transtheoretischen Modells der Veränderung von Prochaska und DiClemente (1982) wurde ein neuer Fragebogen entwickelt, mit dem die Übertragbarkeit des Konzepts der Stages of Change auf die Veränderungsbereitschaft hinsichtlich psychischer Belastung, deren Zusammenhänge mit dem psychischen Befinden und der Psychotherapiemotivation der befragten Patienten geprüft wurden. Die Untersuchung der Fragestellungen erfolgte in drei Stufen. Zunächst wurde der „Fragebogen zu den Veränderungsstadien hinsichtlich psychischer Belastung“ (VS-PsyB) konstruiert. Dieser wurde in einer Vorstudie anhand der Daten von N = 197 Patienten der stationären medizinischen Rehabilitation in seinen statistischen Eigenschaften und seiner Faktorstruktur geprüft und inhaltlich optimiert. Schließlich fanden in einer Hauptstudie eine Untersuchung des psychischen Befindens und der Psychotherapiemotivation in einer Stichprobe von N = 375 Rehabilitationspatienten sowie eine Prüfung des optimierten Fragebogens VS-PsyB statt. Die Ergebnisse der Hauptstudie sprachen für eine erhöhte psychische Belastung, stärker ausgeprägte depressive Symptomatik und höhere Beeinträchtigung der psychischen und körperlichen gesundheitsbezogenen Lebensqualität der befragten Rehabilitationspatienten im Vergleich zu Normstichproben bzw. Cut-Off-Werten der verwendeten Instrumente HADS, BDI und SF-12. Die mit der Kurzversion des Fragebogens zur Psychotherapiemotivation (FPTM-23) ermittelte Psychotherapiemotivation der hauptsächlich unter körperlichen Erkrankungen leidenden Studienteilnehmer war geringer ausgeprägt als die in Vergleichsstichproben von Patienten der psychosomatischen Rehabilitation, aber vergleichbar mit der einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe über 65-jähriger Zürcher Bürger. Für die Veränderungsbereitschaft hinsichtlich psychischer Belastung erbrachten die exploratorischen Faktorenanalysen der Hauptstudie über den VS-PsyB drei stabile und gut interpretierbare Faktoren. Nachdem bereits in der Vorstudie nicht die von Prochaska und DiClemente (1982) postulierten fünf Stages of Change bestätigt werden konnten, wichen die drei in der Hauptstudie gefundenen Faktoren des VS-PsyB auch inhaltlich von diesem Konzept ab. In den konfirmatorischen Faktorenanalysen ergab sich schließlich ein Modell mit akzeptablen bis guten Fit-Indizes, in dem neun VS-PsyB-Items auf drei latente Komponenten luden. Diese wurden mit „Intention zum Handeln“, „Ablenkung“ und „Medizinische Behandlungserwartungen“ benannt und insgesamt als „Skalen zum Umgang mit psychischer Belastung (SKUP)“ bezeichnet. Ergebnisse von Korrelationsanalysen der SKUP mit Maßen zum psychischen Befinden und zur Psychotherapiemotivation der Patienten wiesen auf eine differenzierte Konstrukt- und Kriteriumsvalidität der SKUP hin. Die SKUP erfassen ein Konzept, das sich grundlegend von dem der Psychotherapiemotivation unterscheidet. Sie können als eine Operationalisierung von Änderungsmotivation betrachtet werden, die verschiedene Bewältigungsstile im Umgang mit psychischer Belastung beschreibt und auf die Offenheit der befragten Patienten gegenüber Psychotherapie hinweist. Die Ergebnisse der Studie werden kritisch vor dem Hintergrund der Schwächen des Transtheoretischen Modells der Veränderung und der Operationalisierung des Konzepts der Psychotherapiemotivation diskutiert.
Author: Paul, Juliane
Language: German
Field: Health Professions
Domain: Health Sciences
Open Access status: green
OpenAlex ID: W6997362739
