Das Hezilo-Evangeliar im Fokus
Year: 2026
Type: book-chapter
Abstract: Die sogenannten »Hezilo-Evangelien« aus dem Domschatz von Hildesheim standen lange Zeit im Schatten der Handschriften, die mit Bischof Bernward in Verbindung gebracht werden. Frühere Verbindungen zu Bischof Hezilo wurden verworfen, und die meisten Wissenschaftler folgen Gerd Bauer bei der Datierung des Kodex auf um das Jahr 1000, also in die frühen Jahre von Bernwards Bischofsamt. Die vorliegende Studie untersucht die Materialien, Maltechniken und die bildliche Konzeption des Manuskripts, wie sie sich aus technischen Analysen aus dem Jahr 2017 ergeben, und vergleicht sie mit denen anderer Hildesheimer Kodizes. Die Materialanalyse zeigt die Verwendung charakteristischer ottonischer Pigmente wie Mennige, Ocker, Azurit, Indigo, Flechtenfarbstoff, Realgar und Bleiweiß sowie Gold- und Silbertinte. Die Farbgebung wird von Violett- und Blautönen dominiert, die aus Flechtenfarbstoffen, Azurit und Indigo gewonnen wurden. Der umfangreiche Einsatz von Gold und Silber unterstreicht das materielle Prestige und die ikonologische Bedeutung des Manuskripts, insbesondere in der Illumination des Johannesevangeliums, wo metallische Hintergründe die Theologie des göttlichen Lichts heraufbeschwören. Vorzeichnungen deuten darauf hin, dass Teile des Bildprogramms während der Herstellung überarbeitet wurden, was eine frühe Rezeption karolingischer Vorbilder widerspiegelt, die in Corvey verfügbar waren. Stilistisch und technisch steht das Manuskript dem späteren Kostbaren Evangeliar näher als der Guntbald-Gruppe. Dies deutet darauf hin, dass die Hezilo-Evangelien ein wichtiger Vorläufer innerhalb der Hildesheimer Tradition der Buchmalerei sind.
Authors: Doris Oltrogge, Robert Fuchs
Institution: TH Köln - University of Applied Sciences
Language: German
Subfield: Archeology
Field: Arts and Humanities
Domain: Social Sciences
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W7207617709
