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Intervalllehre, Mathematik, Christologie und Kosmologie im Diagramm auf der Kreu-zesseite im Uta-Codex (Regensburg, um 1025)

Year: 2026
Type: book-chapter
Abstract: Dieser Beitrag untersucht das Diagramm auf der Kreuzseite (fol. 3v) des Uta-Codex (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 13601), eines um 1025 im Kloster St. Emmeram in Regensburg entstandenen Evangelienlektionars, dessen intellektuell anspruchsvolles Programm dem Mönch Hartwic zugeschrieben wird. Das Diagramm, das unter den mittelalterlichen Kreuzdarstellungen einzigartig ist, zeigt vier Begriffe – MORS, MVNDVS, INFERNVS und PLINTESPILON – in quadratischen Feldern, wobei die Buchstabenzahlen dieser Wörter (4, 6, 8, 12) die numerische Grundlage einer pythagoreischen Konsonanzlehre bilden, die die musikalischen Intervalle der Quarte, Quinte und Oktave abbildet. Unter Rückgriff auf Boethius, Nikomachos von Gerasa und Johannes Scottus Eriugena zeigt der Beitrag, dass diesen Zahlen eine tiefe arithmologische und kosmologische Bedeutung zukommt: 4 als erste Quadratzahl, 6 als vollkommene Zahl, 8 als erste Kubikzahl und 12 als symphonische Zahl. Der vierte Begriff, PLINTESPILON, wird als griechisches Neologismus im Sinne von ›Quadrat-Schänder‹ interpretiert und auf den Teufel bezogen. Der Beitrag argumentiert, dass das Diagramm zusammen mit den begleitenden leoninischen Hexametern eine spezifische theologische Vorstellung vom Sieg Christi über Tod, Welt, Unterwelt und Teufel formuliert – ein Sieg, der nicht als deren Vernichtung, sondern als ihre Wiederherstellung zur Vollkommenheit verstanden wird, im Einklang mit dem Denken Eriugenas und Origenes.
Author: Ulrich Kuder
Language: German
Subfield: Classics
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W7207761461
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Cites: 5
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