Der diagnostische Zugewinn des Einsatzes eines Interferon-Gamma-Release-Assays zur Detektion einer latenten Tuberkulose vor Einleitung einer immunsuppressiven Therapie mit Biologika bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen:Eine retrospektive Analyse der Anwendung in der klinischen Routine
Year: 2011
Type: dissertation
Study design: Observational Study
Abstract: In der vorliegenden Studie wurde bei 205 Patienten, die für eine Therapie mit Biologika zur Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen evaluiert wurden, mit Hilfe von standardisierten anamnestischen Informationen, Röntgen-Thorax-Befund, Tuberkulin-Hauttest (THT) und einem Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA), der QuantiFeron® -TB Gold In-Tube (Hersteller Cellestis, Australien), ein Screening auf das Vorhandensein einer LTBI durchgeführt. Es fanden sich hierbei 19 positive und 18 undefinierte IGRA-Ergebnisse. Die Ergebnisse des IGRA wurden mit den anderen LTBI-Screening-Verfahren verglichen und diskordante Ergebnisse sowie undefinierte IGRA-Ergebnisse auf mögliche Ursachen und Einflussfaktoren hin untersucht.\nDie Übereinstimmung der IGRA-Ergebnisse mit den Röntgen-Thorax-Befunden war niedrig, was als Ausdruck eines niedrig positiv-prädiktiven Wertes und geringer Sensitivität einer Röntgen-Thorax Aufnahme für die Diagnose einer LTBI gesehen werden kann. Die Übereinstimmung mit den Ergebnissen des THT war bei den negativen IGRA-Ergebnissen relativ hoch. Aufgrund der anzunehmenden z.T. in der Vorgeschichte erfolgten BCG-Impfungen ist von einer Abnahme der BCG-Interferenz des THT im zeitlichen Verlauf auszugehen. Möglicherweise ist zusätzlich ein Teil der THT, welche durch eine BCG-Impfung falsch-positiv ausgefallen wären, durch die im untersuchten Studienkollektiv häufig vorbestehende Therapie mit Kortikosteroiden zu erklären.\nBei einer Patientin in dem untersuchten Kollektiv ergaben sich deutliche Hinweise für ein falsch-negatives IGRA-Ergebnis. Solche Einzelfälle werden auch von anderen Autoren beschrieben, wobei jedoch häufig bei Vorliegen von falsch-negativen Ergebnissen, die LTBI durch die konventionellen Methoden (THT, Röntgen-Thorax, Anamnese) definiert wurde und nicht durch eine später aufgetretene tatsächliche TB-Reaktivierung. Eine Überschätzung der Häufigkeit falsch-negativer IGRA-Ergebnisse wäre hier in Anbetracht der diskutierten niedrigeren Spezifität der konventionellen Diagnostik möglich.\nBei den positiven IGRA-Ergebnissen zeigte sich eine niedrige Übereinstimmung mit den THT Ergebnissen. So wären ca. 75% der Patienten mit einer durch den IGRA festgestellten LTBI bei alleinigem Einsatz herkömmlicher Screening-Verfahren nicht diagnostiziert worden. In der vorliegenden Studie wäre ohne den Einsatz des IGRA bei zwei Patienten die indizierte Therapie der LTBI mit Isoniazid nicht durchgeführt worden. Der im Vergleich zur Häufigkeit der LTBI-Diagnosestellung mittels IGRA relativ seltene Einsatz einer Isoniazid-Therapie im Studienkollektiv der vorliegenden Arbeit ist hauptsächlich darin begründet, dass ein LTBI-Screening auch vor Einleitung einer Rituximab-Therapie durchgeführt wurde, hierfür aber derzeit keine prophylaktische LTBI-Therapie vor Behandlungsbeginn generell empfohlen wird.\nBezüglich der undefinierten IGRA-Ergebnisse fand sich eine negative Korrelation der quantitativen IFNγ-Produktion der Mitogen-Kontrollen mit der Dosis einer Kortikosteroid-Vortherapie und eine positive Korrelation mit der Lymphozytenzellzahl im peripheren Blut. Bei Patienten mit einer hochdosierten Kortikosteroid-Therapie traten signifikant häufiger undefinierte IGRA-Ergebnisse auf. Somit sollte bei der Interpretation des IGRA-Ergebnisses eine hochdosierte Kortikosteroid-Therapie als Störfaktor bedacht und hier besonders sorgfältig ergänzend die Ergebnisse der Anamnese und des Röntgen-Thorax zur Bewertung des LTBI-Risikos herangezogen werden.\nDer IGRA ist somit ein Testverfahren mit hoher Spezifität und hoher Sensitivität auch bei immunsupprimierten Patienten mit entzündlich-rheumatischen Grunderkrankungen. Die Ergänzung des Screenings mittels IGRA ist dem alleinigen Einsatz der konventionellen Diagnostik, insbesondere aufgrund der höheren Sensitivität des IGRA im Vergleich zum THT, überlegen. Die Häufigkeit falsch-positiver THT-Ergebnisse aufgrund einer BCG-Impfung in der Vorgeschichte war in der vorliegenden Arbeit vernachlässigbar niedrig. Das Auftreten undefinierter IGRA-Ergebnisse stieg mit zunehmender Tagesdosis einer Vortherapie mit Kortikosteroiden und abnehmender Anzahl an Lymphozyten im peripheren Blut an.\nZusammenfassend kann aufgrund der Ergebnisse der vorliegenden Arbeit der Schluss gezogen werden, dass der Einsatz eines IGRA zum Screening einer LTBI vor Einsatz von Biologika, insbesondere vor TNFα-Inhibitoren, eine wichtige Ergänzung des bisherigen Screenings darstellt und deshalb folgerichtig auch in die aktuellen nationalen Empfehlungen zum LTBI-Screening aufgenommen wurde.
Author: Felix Nessyt
Language: German
Subfield: Infectious Diseases
Field: Medicine
Domain: Health Sciences
Open Access status: green
OpenAlex ID: W39226386
