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Das traumatisierte Opfer

Year: 2025
Type: book-chapter
Abstract: Wie durch die Verflechtung von medizinischen und moralischen Kategorien ein neuer Opfertypus geschaffen wurde 1 1 Die Omnipräsenz des Traumas Der Traumabegriff hat seit der Einführung der Diagnose posttrau matische Belastungsstörung um 1980 die Vorstellung von individuel ler psychischer Verletzlichkeit geprägt.Wie kein anderer medizini scher Begriff steht er seit den Neunzigern für die menschliche Fragi lität.Auch in der populären Literatur und im Film, wo lange Zeit der unerschütterliche Held dominierte, der seine Emotionen und sein Handeln stets unter Kontrolle hatte, dient heute das Trauma als zen trales Erzähl-und Erklärungsmuster.Die Taten von Bösewichten, wie dem Joker in der Version von Joaquin Phoenix, entspringen tie fen seelischen Verletzungen.Auch die Guten sind, wie sie sind, weil sie leiden oder gelitten haben.Die Protagonisten wirken dadurch menschlicher und zugleich tragischer.Allerdings nur dann, wenn nicht eine allzu klischeehafte Vorstellung vom Trauma für eine ent sprechend klischeehaft imaginierte "Tiefe" sorgt.Mittlerweile dominiert das Trauma auch die politische Kultur der Gegenwart und unser allgemeines Weltbild.Wir nehmen die Gegen wart heute als eine nicht verheilte moralische Wunde wahr, die auf eine gewalttätige Vergangenheit verweist.Umgekehrt erscheinen uns historische Ereignisse als eine Kette von Traumatisierungen, die bis in die Gegenwart nachwirken.Der Holocaust, Kolonialverbrechen
Field: Psychology
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W4416631333
FWCI: 7.014
Cites:
Cited by: 1
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